Der Treuhänder

Was ich als Aktionär nicht sehen will – Teil 2

Nicht die Auswahlmethodik ist entscheidend, sondern die Methodik des Ausschließens. Es ist an der Börse und allgemein bei einem wirtschaftlichen Engagement besonders wichtig Fehler zu vermeiden.

Im Teil 1 der Mini-Serie „Was ich als Aktionär nicht sehen will“ habe ich schon ein Ausschlusskriterium genannt, welches ich heute mit einem weiteren ergänzen möchte.

Es ist vielleicht ein kontrovers diskutiertes Thema, insbesondere wenn man die angeblichen Auswirkungen untersucht, doch Buybacks sind etwas, was einem misstrauisch machen muss. Sie sind ein Ausdruck von Ideenlosigkeit der Unternehmensführung.

Vermeide Buyback Aktivitäten

Buybacks sind zwar nicht pauschal zu verurteilen, denn es gibt seltene triftige Gründe diese durchzuführen, dennoch sind sie meistens ein Hinweis darauf, dass:

1. Die Unternehmensführung keine Idee hat wie das Kapital der Unternehmung wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden kann. Hätte sie eine, würde sie ansonsten das Kapital investieren.

2. Der Teilhaber, der das wirtschaftliche Risiko trägt, ist für das Management offensichtlich nicht von Bedeutung. Der Teilhaber hat von einem Buyback nichts, außer er verkauft seine Aktien. Er hat ansonsten keinen positiven Cash Flow, im Gegensatz zu einer Dividenden Ausschüttung. Die Aussage, dass sich Buybacks für die Teilhaber positiv auswirken ist mehr als nur Zweifelhaft. Darauf deutet zum Beispiel die Preisentwicklung der General Electrics Aktie hin.

3. Vermehrt Financial Engineering zum Einsatz kommt. Dabei wird das eigentliche Produkt der Unternehmung zu einem Nebensache degradiert. Das Hauptaugenmerk des Managements liegt dann auf dem Anteilspreis.

4. Eventuell stagnierender Umsatz und Gewinn verdeckt werden sollen. Bleiben der Umsatz & Gewinn gleich und es wird ein Buyback Programm durchgeführt, so steigen die Earnings Per Share. Eine Verhältnis, auf das ein besonderes Augenmerk liegt. Jedenfalls bei vielen Analysten, Finanzmedien und anderen. Daneben kann natürlich auch das Boni-System an die EPS gekoppelt sein. Das System wird quasi gespielt.

An einer Unternehmung, die in Verbindung mit einer hohen Auszahlungsrate regelmäßig Buybacks durchführt will ich nicht beteiligt sein. Das Management ist meist zu sehr mit dem Anteilspreis beschäftigt und zu wenig mit dem Produkt. Außerdem sehen sie offensichtlich keine Chance das Kapital der Unternehmung wirtschaftlich sinnvoll einzusetzen und damit das Produkt zu verbessern, die Effizienz / Produktivität zu erhöhen, Kosten zu senken und neue Märkte zu erschließen. Wie soll hier das langfristige überleben der Unternehmung gesichert werden?

Buybacks sind definitiv ein Ausschlusskriterium, außer das Management hat eine triftige Erklärung für ein solches Programm. Es muss einem bewusst sein, der Wert (Wert ungleich Anteilspreis) einer Unternehmung steigt dadurch jedenfalls nicht.

Hohe Auszahlungsrate + Regelmäßige Buybacks = Kein Engagement

Mythbusting Nord Stream 2

Nord Stream 2 ist ein Projekt, welches bisher für das ein oder andere politische Schauspiel gut war. Was hier in den vergangenen Tagen nicht so alles geboten wurde. Besonders ärgerlich ist es, wenn man irreführende Äußerungen vernimmt, die Deutschland als Opfer darstellen. Nein es wurde im Voraus und rechtzeitig von all unseren Partnern dazu Stellung bezogen.

Drei Mythen über Nord Stream 2

1. Nord Stream 2 ist ein Projekt der Europäischen Union: Unsere europäischen Verbündeten / Partner sind nicht von diesem Projekt überzeugt. Sie stehen diesem sogar entgegen, einen Hinweis darauf bietet z.B. die Veränderung der Europäischen Gasrichtlinie. Weitere Hinweise sind natürlich die kritischen Äußerungen unserer Partner aus ganz Europa, die in den zurückliegenden Jahren immer wieder kommuniziert wurden. Es ist ein Deutsch-Russisches Projekt.

2. Deutsche & Europäische Unternehmungen seien von den Sanktionen betroffen und die Sanktionen seien ein Angriff auf die Souveränität Deutschlands, außerdem sind sie ein Eingriff in die inneren Angelegenheiten: Bisher sind keine Europäischen Unternehmungen und auch keine Deutschen von den Sanktionen betroffen. Auch ist es zweifelhaft, ob es hier ein Eingriff in die Souveränität und innere Angelegenheit Deutschlands handelt. Aktuell befindet sich die Pipeline in internationalen Gewässern.

3. Die USA sind nur gegen die Pipeline, weil sie uns selbst ihr teures LNG verkaufen wollen: Dieser Verdacht drängt sich natürlich auf, doch stimmt er nicht. Dagegen spricht z.B. der Eastern Mediterranean Partnership Act, welcher neben Sicherheitsaspekten, auch die Förderung der Energiekooperationen zwischen Griechenland, Zypern und Israel enthält. Die USA wollen eine „Gas Tankstelle“ für Europa fördern, welche eine direkte Konkurrenz zu ihrem LNG darstellt.

Was besonders aufstößt ist das Wording welches von manchen Deutschen Politikern in den vergangenen Tagen benutzt wurde. Ob ihnen die Außenwirkung ihrer Formulierung & Behauptungen überhaupt bewusst ist? Man kann sich jedenfalls nicht der Vermutung entziehen, dass sie bei einem bestimmten Land in die PR Lehre gegangen sind.

Insgesamt ist es ein weiteres Beispiel für Inkompetenz aufgrund von Arroganz.

Eastern Mediterranean Partnership Act of 2019 – Schaffung einer neuen Struktur im östlichen Mittelmeer?

Im Lauf der Zeit kommt es in jeder Beziehung immer wieder zu Spannungen und Streit. Oft können diese beigelegt werden und neues Vertrauen knüpft an das Alte an. Doch manchmal kann ein Riss nicht mehr kurz- / mittelfristig gekittet werden und es wird nötig sich auf eine mögliche Scheidung einzustellen.

Ich denke so kann man den Eastern Mediterranean Partnership Act of 2019 verstehen.

Inhalt des Eastern Mediterranean Partnership Act of 2019

Das Gesetz ist mit folgendem Ziel erlassen worden:

The legislation is a comprehensive recalibration of American diplomatic, military, and economic policy towards the Eastern Mediterranean and a strong and prosperous alliance between the United States, Greece, Israel, and Cyprus.

Quelle: Senats Website von Senator Robert Menendez

Und es beinhaltet die nachstehend aufgeführten Punkte:

  • Aufhebung des Waffenembargos gegenüber Zypern
  • Foreign Military Financing (FMF) Unterstützung für Griechenland & Zypern
  • Schaffung eines Zentrums zur Verbesserung der Energiekooperation zwischen Griechenland, Israel und Zypern.
  • Verpflichtet die Regierung eine Strategie zu entwickeln, mit der die Sicherheit und Energiekooperation der betroffenen Länder im östlichen Mittelmeer verbessert werden soll. Zusätzlich soll der negative Einfluss von Russland und anderen Staaten überprüft werden.

Hier ist hervorzuheben, dass die Türkei nicht erwähnt wird. Weder als Partner noch als konkurrierender Staat. Doch muss einem klar sein, dass sie, neben dem Iran, unter „… und anderen Staaten“ gemeint sind.

Das bedeutet, dass sich im Mittelmeerraum wahrscheinlich eine neue Macht Struktur herausbilden wird.

Neben der militärischen Seite des Gesetzes, ist natürlich auch die angestrebte Verbesserung der Energiekooperation von Griechenland, Israel und Zypern in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen. Sie sind eine zukünftige „Gas Tankstelle“ für Europa. Ein Umstand den die USA a) erkannt haben und b) anscheinend zukünftig verstärkt fördern wollen.

An dieser Stelle kommt die Türkei wieder ins Spiel.

Eine neue Achse

In den vergangenen Jahren hat sich dort eine Achse geformt, die erst vor einigen Tagen erneut auf sich aufmerksam gemacht hat. Die Türkei hat mit Libyen einen Vertrag über ihre Seegrenzen geschlossen und damit das Mittelmeer geteilt. Dabei wurden die Rechte Griechenlands missachtet und auch die geplante Pipeline Israel => Zypern => Griechenland => Italien in Frage gestellt. Dennoch ist davon auszugehen, dass am 2. Januar 2020 die Länder den Vertrag zum Bau der EastMed Pipeline unterzeichnen werden.

Darüber hinaus arbeiten die Türkei offen mit Russland und dem Iran zusammen und untergraben so die direkten Interessen der EU, ihrer Mitgliedsstaaten, der NATO und der USA in der Mittelmeerregion und darüber hinaus.

Damit stehen in einer Ecke des Rings Griechenland, Israel, Ägypten & Saudi-Arabien (Update: VAE, Frankreich) unterstützt durch die USA und in der gegenüberliegenden Ecke steht die Achse Moskau, Ankara, Qatar und Teheran. Hier geht es unteranderem um sehr viel Gas und die Frage wer Europa zukünftig versorgen wird und welche Wege das Gas zu nehmen hat.

(Ergänzung 29.07.2020: Die Türkei nimmt im Moment abstand zu Russland und versucht die Wogen mit Griechenland zu glätten, in der Hoffnung auf Wirtschaftshilfe aus den USA – https://apnews.com/7f7d36db7fa410987c774e90ce93b414 )

(Ergänzung 14.08.2020: Türkei lässt erneut die Kanonenboot Diplomatie sprechen. Frankreich hat sich fest an die Seite Griechenlands begeben (Unteranderem wegen Afrika und dem Versuch der Türkei dort einen größeren Fußabdruck zu erlangen). Eine weitere Eskalation ist zwar nicht auszuschließen, jedoch äußerst unwahrscheinlich. Die Türkei verliert wahrscheinlich diese Auseinandersetzung, Gerüchte zufolge seit 2018 von NATO Netzwerk abgeschnitten, aufgrund der S400. Dazu sollen sich die US Atombomben nicht mehr in der Türkei befinden und die Türkischen Streitkräfte sollen seit geraumer Zeit keine Ersatzteile mehr aus den USA bekommen.)

Was ich als Aktionär nicht sehen will

Der Aktienmarkt ist schon eine verrückte Sache. Jeder schwört hier auf seine eigene Methodik. Manche dieser gleichen eher einer Esoterischen Strömung, andere basieren auf Theoretischen Modellen, die aus einem Labor entflohen sind. All das ist relativ egal. Wichtiger als die Auswahlmethodik ist die Methodik des Ausschließens. Einfach gesagt, Fehler vermeiden.

Was ich als Aktionär / Anteilseigner bei einer Unternehmung wirklich nicht sehen will ist eine Schwache Bilanz!

Vermeide eine schwache Bilanz

An einer Unternehmung kann an sich alles stimmen wie z.B. eine beständig hohe Gesamtkapitalrendite, ein gutes Produktportfolio, hohe Einstiegshürden in ihren Markt, etc. aber all das hilft nicht, wenn die Bilanz schwach ist.

1. Erste Hinweise auf eine schwache Bilanz bietet der Blick auf die Eigenkapitalquote. Ist diese gering ist der Anteil des Fremdkapitals, vereinfachend gesagt der Schulden, hoch. Doch kann man nicht pauschal sagen, dass eine Unternehmung, die z.B. nur eine Eigenkapitalquote von 42% hat, auch gleichzeitig eine schwache Bilanz aufweist.

2. Weitere hinweise erhält man, wenn man die Liquidität 1. bis 3. Grades überprüft. Hier kann die Liquiditätssituation einer Unternehmung besser eingeschätzt werden und damit die stärke der Bilanz. Es ist gut, wenn die Quick Ratio (Liquidität 2. Grades: (Geldvermögen + Wertpapier + kurzfristige Forderungen)/kurzfristige Verbindlichkeiten) größer 1 und die Current Ratio (Liquidität 3. Grades: Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten) größer als die Quick Ratio ist.

3. Eine weitere Prüfung die einem einen Hinweis auf die Stärke einer Bilanz gibt, ist der Zinsdeckungsgrad. Dabei wird das Verhältnis zwischen Zinsaufwendungen und den Einnahmen erfasst. Je größer dieser Wert ist, je geringer sind die Zinsaufwendungen gegenüber den Einnahmen und damit auch das Zinsänderungsrisiko.

Diese drei Anhaltspunkte, die auf die Verfassung einer Bilanz hinweisen, können ohne weiteres von einem Privatanleger binnen weniger Minuten geprüft werden.

Darüber hinaus sollte auch die Art der einzelnen Bilanzposten geprüft werden, wenn dieses für den Privatanleger möglich ist.

Schwache Bilanz = kein Engagement!

Phase One Trade Deal als Lackmustest?

Viele Kommentatoren zeigen sich davon überzeugt, dass Trump bei den Handelsgesprächen eingeknickt sei. Die Erzählung lautet, dass Trump und die USA viel mehr den Deal benötigen, als Xi Jinping und China. Der Präsident sei auf diesen symbolischen Erfolg für den anstehenden Wahlkampf angewiesen. Ich denke diese Sichtweise ist durch persönliche Neigungen verzerrt.

Als erstes möchte ich hier kurz auf die aktuelle Lage eingehen

Aktuelle Lage der USA & Chinas: Eine Kurze Zusammenfassung

1. Trotz des Handelskrieges und den damit verbundenen Zöllen ist die US Amerikanischen Wirtschaft auf dem Wachstumspfad verblieben.

2. Die Harte Linie gegenüber China wird von beiden Parteien unterstützt, wie auch von der Bevölkerung. Hinweise darauf sind nicht nur der Hong Kong Human Rights and Democracy Act of 2019, Uyghur Human Rights Policy Act of 2019, sondern auch eine Vertragsklausel im USMCA. Bei der Klausel geht es darum, dass sollte einer der Unterzeichner Staaten ein Freihandelsabkommen mit einem Dritt Staat abschließen wollen, der nicht Marktwirtschaftlich orientiert ist, müssen die anderen Unterzeichnerstaaten diesem Vertrag ebenfalls zustimmen. Eine Klausel die man wohl zukünftig in allen Freihandelsverträgen der USA finden wird.

3. Die Abkopplung wurde schon seit 2013 von China betrieben (Update: Die ersten Schritte haben schon direkt nach der Finanzkrise 2007/2008 stattgefunden). Darauf deuten mehrere regulatorische und Gesetzgeberische Maßnahmen hin. Es ist eine Frage des Überlebens für die Kommunistische Partei Chinas. Im Jahr 2013 wurde im Dokument 9 festgehalten, dass die Werte und das demokratische System des Westens eine direkte Gefahr für die Partei darstellen.

4. Starke Zunahme bei der Nichterfüllung von Zahlungsverpflichtungen seitens der Staatseigenen Betriebe Chinas. Auch die im Privateigentum befindlichen Unternehmungen innerhalb Chinas können zunehmend ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Hinweise darauf bieten die verschiedenen Berichte / Ereignisse der letzten Wochen.

5. Unruhe innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas über den von Xi Jinping und seinem Macht Zirkel eingeschlagenen Weg. Hinweis darauf sind z.B. die sogenannten China Cables.

6. China kann nur mit USD Nahrungsmittel und Rohstoffe kaufen. Hier haben sie trotz ihrer angeblichen Reserven anscheinend eine USD Knappheit.

Soweit einmal die kurze und nicht vollständige Zusammenfassung der aktuellen Lage.

Inhalt des Phase One Trade Deals

In dem sogenannten Phase One Deal sind folgende Punkte festgehalten.

Der Punkt der viele in die Irre führt ist hier der Absatz über die Agrarprodukte. Es wird häufig als eine Wahlkampfmaßnahme interpretiert, die auf die Beruhigung der US Farmer abzielen soll. Damit liegen die Beobachter zwar nicht völlig daneben, doch es steckt wahrscheinlich mehr dahinter.

In der nicht Marktwirtschaftlich orientierten Volksrepublik China liegt alles direkt oder indirekt in der Hand der Kommunistischen Partei. Das gilt besonders für die Lebensmittelversorgung, denn es ist nun mal für das Überleben der Bevölkerung wichtig, dass genügend Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. Damit liegt auf diesem Sektor eines der am dichtesten gewebten Kontrollnetze überhaupt. Auch auf der anderen Seite des Pazifiks hat die Nahrungsmittelsicherheit eine der höchsten Prioritäten. Dadurch sind hier die Exporte sehr gut dokumentiert. Dieser Umstand gibt der US Regierung und ihren Ministerien die Möglichkeit die Ernsthaftigkeit der KPCh bei der Implementierung des Phase One Deals anhand von harten Fakten zu überprüfen. Etwas was bei den übrigen Punkten nur sehr schwer möglich ist.

Fazit

Insgesamt mussten die USA nicht weit zurückrudern, um der KPCh diesen Deal schmackhaft zu machen. Die Strafzölle auf Seiten der USA wurden von im Durchschnitt 21% auf 19,3% gesenkt.

Von Seiten der KPCh ist es mehr als nur fraglich, ob sie auch nur im Ansatz gewillt ist den Deal umzusetzen. Seit der Aufnahme in die WTO glänzte China immer wieder mit großen Ankündigungen, doch haben sie äußerst selten etwas eingehalten. Sie haben über die Jahrzehnte gelernt das Papier geduldig ist und bis zum Amtsantritt von Präsident Trump kamen sie damit auch ohne Probleme durch.

Sollten sie es auch dieses mal mit der bisher angewandten Methodik der „Schönen Worte, ohne Taten“ versuchen, könnte die Reaktion sehr harsch ausfallen. Denn wie schon oben geschrieben, die Meinung gegenüber dem Gebaren der KPCh hat sich gedreht und die Klausel im USMCA ist ein eindeutiger Hinweis, dass dieser Zustand längerfristiger Natur ist. Damit kann der gesamte Phase One Trade Deal als Lackmustest für die KPCh gelten.

Die Interpretation, dass die USA eingeknickt sind ist eher eine öffentliche Lesart der KPCh die über viele Mediennetzwerke gestreut wird. Sie dient der Ablenkung und öffentlichen Stärkung Xi Jinpings.

Fake-News Outlet Zero Hedge

Zero Hedge ist ein sehr bekannter Finanzblog, der über 40 Millionen Zugriffe im Monat erreicht. Die Qualität des Blogs war am Anfang recht hoch, doch nahm diese mit der Zeit immer weiter ab. Viele der Beiträge sind mittlerweile Zweifelhafter Natur und dienen wohl eher der Manipulation.

Wie wird Manipuliert?

In den vergangenen Jahren wurde viel über Fake News und der gezielten Manipulation der Öffentlichkeit diskutiert. Doch das Problem ist geblieben. Manipulationsversuche erscheinen oft organischer Natur und nicht künstlich. Das ist das Perfide an ihnen. Die Fakten stimmen zu 95%, doch die Wahrheit wird in ihnen verdreht, sodass Uneinigkeit, Unruhe und Chaos gestreut werden. Es ist eine Technik, die die UDSSR und ihre Geheimdienste bzw. ihre Nachfolgeorganisationen perfektioniert haben. Aber auch China ist in der Praxis „Verdrehung der Tatsachen“ recht geübt (5G, Huawei, Organ Harvesting, Xinjiang, Hong Kong, etc.).

Es sind Operationen, die nicht auf einen kurzfristigen Erfolg abzielen. Sie sind oft sehr langfristiger Natur, mit dem Ziel der Zersetzung. Schlussendlich ist die betroffene Gesellschaft zu paralysiert, als dass sie noch Entscheidungen treffen kann.

1. Auf Zero Hedge selbst werden oft Verschwörungstheorien jeglicher Art verbreitet, die nur ein Teil des Problems sind. Der andere Teil sind Berichte über Wirtschaft oder Politik, die allem Anschein nach korrekt sind. Doch aufgepasst hier werden oft feinsäuberlich Narrative geflochten, wie z.B. USA begeht dieses oder jenes, Russland und oder China + Vasallen sind die Opfer. Oft ist es so, dass die USA, EU oder NATO als die verantwortlichen dargestellt werden. Eine Strategie die Früchte trägt, wenn es die schon vorhandene Meinung des Publikums bedient. Steter Tropfen hölt den Stein. Am Ende wendet sich das Publikum gegen die eigenen Interessen und ist nichts weiter, als ein Instrument, welches nach belieben gespielt werden kann.

2. Daneben kommt eine Technik zum Einsatz, die etwas Sektenähnliches an sich hat. Es wird gerne so getan, als ob die breite Öffentlichkeit uninformiert oder dumm ist, doch der Leser des Blogs zu den informierten, den schlauen Personen gehört. So muss es sein, denn nur diese finden ihren Weg zu diesem Blog. Es wird damit eine Art Esprit de Corps geschaffen. Der Erleuchtete innere Zirkel, die Informierten vs. die Dummen, die durch die Massenmedien manipuliert sind und die Wahrheit nicht erkennen können. Diese Masche findet man bei vielen sogenannten „Informationskriegern“ und sie zielt darauf ab jegliches hinterfragen zu unterbinden. So wird eine willenlose Masse geformt, die glaubt und folgt.

Diese beiden Methodiken gehen Hand in Hand und entfalten mit der Zeit ihre Wirkung. Dabei ist es erst einmal völlig egal ob sie zur Gewinnmaximierung genutzt werden oder zur Beeinflussung der Bevölkerung. Es ist eindeutig schädlich.

Wer ist der Mann hinter ZH?

Daniel Ivandjiiski stammt gebürtig aus Bulgarien und lebt seit vielen Jahren in den USA. Seine Karriere in der Finanzindustrie endete unrühmlich, nachdem ihm Insider Trading nachgewiesen werden konnte und er mit einem Berufsverbot belegt wurde. Im Anschluss gründete er Zero Hedge (2009) und ist bis zum heutigen Tag maßgeblich für den Inhalt des Blogs verantwortlich.

Das ist recht uninteressant, wenn man von dem Insider Trading absieht. Doch es halten sich Gerüchte über den ehemaligen Arbeitgeber seines Vaters. Ihm wird eine Tätigkeit für den Bulgarischen Geheimdienst während des Kalten Krieges nachgesagt. Sollte dieses wahr sein, so wird die auf Zero Hedge gezeigte Anti-US, Anti-EU & Anti-NATO Stimmungsmache wohl kein Zufall sein.

Ich denke, dass man nicht eindeutig sagen kann, ob diese Art der Manipulation nur aufgrund vom Gewinnstreben stattfindet (Klicks generieren) oder ob mehr dahinter steht. Was gesagt werden kann, ist dass die Seite Zero Hedge ein Hort von Fake News und Verschwörungstheorien ist.

Wer die Seite dennoch als Nachrichten Aggregator Nutzen möchte, dem muss bewusst sein, dass das meiste veröffentlichte Material purer Bogus ist und nur sehr sehr wenige Berichte überhaupt stimmen.

Ist Huawei der günstigste 5G Anbieter?

Huawei stellt sich sehr gern als die günstige alternative zu Samsung, Ericson und Nokia dar. Hier sind jedoch Zweifel angebracht, denn den Aussagen Huawei´s kann nicht ungeprüft getraut werden. Hier möchte ich nur kurz an die Aussage erinnern, dass Huawei sich zu 100% im Eigentum der eigenen Mitarbeiter befindet.

Huawei günstiger als die Konkurrenz?

Das Huawei unter einem Marktüblichen Preis anbieten kann liegt nicht an der hohen Effizienz ihrer Produktion oder dergleichen. Die Unternehmung wird durch die Kommunistische Partei Chinas massiv unterstützt. Dies geschieht mit dem Ziel, eine globale Dominanz im Bereich der 5G Netze zu erreichen.

1. Damit die Subventionen nicht offensichtlich sind, treten die Staats eigenen Banken als Mittelsmänner auf. Diese Banken geben Huawei sehr günstige Kredite, mit deren Hilfe die Internationale Expansion vorangetrieben wird.

2. Das Ziel der Dominanz ist die uneingeschränkte Kontrolle des entstehenden Ökosystems. Dadurch können konkurrierende Unternehmen geschädigt werden durch a) die Manipulation ihrer Produktion und oder Logistik, b) Beeinträchtigung ihrer Sichtbarkeit und damit die Erreichbarkeit für Kunden mindern und c) sie können auch komplett ausgeschlossen werden. Das sind versteckte Kosten die nicht quantifizierbar sind, jedoch bedacht werden müssen.

3. Wie in diesem Jahr berichtet wurde, ist eines der Probleme mit der Huawei Infrastruktur nicht eine eingebaute Hintertür, sondern schlecht programmierte Software. Hier entstehen langfristig hohe Wartungskosten, die jedwede Einsparung in der Anschaffung übertreffen werden. In diesem Bericht für den Nationalen Sicherheitsberater des Vereinigten Königreichs, ist darüber mehr zu erfahren.

4. Politische Risiken: Bisher sehen wir ein zunehmend aggressiv und drohend auftretendes Regime, welches sehr empfindlich auf jedwede Kritik reagiert. Ganz zu schweigen von den offen geführten Diskussionen zu 5G und der Causa Huawei, welche in den letzten Wochen regelmäßig zu Wutausbrüchen und Drohungen Seitens der Kommunistischen Partei geführt hat (Färöer Inseln, Schweden, Deutschland, Kannada, etc.). Da kann man sich sehr schnell vorstellen, wie gefährdet ein Land sein wird, wenn die 5G Infrastruktur von Huawei stammt. Hier werden den Ländern, die sich für ein 5G Netzwerk von Huawei entschieden haben, hohe Kosten folgen. Eine mögliche Kostenfalle kann sein, dass auf Kosten der heimischen Wirtschaft, chinesische Produkte & Dienstleistungen gekauft werden müssen und damit die heimische Wirtschaft leidet. Das würde nicht nur zu Arbeitsplatzverlust führen, sondern auch das Steueraufkommen mindern.

Nur weil die Anschaffungskosten gering erscheinen, sollte man sich nicht täuschen lassen, denn die langfristigen Kosten überwiegen, wie auch die aufgezeigten Risiken.

Leider denkt die ein oder andere Regierung, man könne die Probleme durch Sicherheitsgarantien in den Griff bekommen. Das ist Naiv, denn der bisherige Track Record der Kommunistischen Partei Chinas im Bezug auf die Einhaltung von Verträgen spricht eindeutig dagegen.

Es gibt so gesehen keinen rationalen Grund, dass sich Europa für Huawei entscheidet und nicht für Ericson, Nokia oder Samsung.

Abschließend möchte ich dann nochmals auf die Feststellung des China Tribunals hinweisen, der zufolge es jedem Akteur bewusst sein muss, dass es sich bei China unter Kommunistischer Herrschaft um einen kriminellen Staat handelt!

Weitere Mythen um 5G und Huawei kann man einem Factsheet des U.S. Department of State entnehmen. https://policystatic.state.gov/uploads/2019/12/5G-Myth_Fact4.pdf

China: Ein großes Risiko für Unternehmungen

Kommt es zu China befinden sich die meisten Unternehmungen bei Alice im Wunderland. Ihnen ist schlichtweg nicht bewusst mit wem sie es dort zu tun haben. Anders kann ihr Verhalten wohl nicht erklärt werden, denn jegliches Engagement innerhalb Chinas ist mit unüberschaubaren Risiken verbunden. Risiken welche unabsehbare Konsequenzen für die Unternehmungen und ihre Angestellten beinhalten.

Rechtsrisiko innerhalb Chinas

Als erstes sollte man hier festhalten das China ein Land ist, welches sich unter der Kontrolle einer Maoistisch-Leninistischen Partei befindet. Einfach gesagt es ist eine Diktatur, die durch Gesetz herrscht. Ein Gesetz welches willkürlich durch die Partei angewandt und geändert wird. Auch rückwirkend.

Es ist eine Maoistisch-Leninistisch geprägte Diktatur, das bedeutet nichts anderes, als dass die Vorstellung von Privateigentum im Europäischen bzw. Angelsächsischen Verständnis nicht existiert. Jegliches Eigentum kann dort von heute auf morgen konfisziert und oder umverteilt werden. Die Kommunistische Partei gibt es und die Kommunistische Partei nimmt es.

Nicht nur das Produktivkapital ist diesem Risiko ausgesetzt, sondern auch die Gewinne. Es ist wahrscheinlich eine übliche Maßnahme in China, dass die von ausländischen Unternehmungen erwirtschafteten Gewinne im Land zu verbleiben haben. Entweder auf einem Bankkonto geparkt oder sie werden reinvestiert, jedoch ist keine Repatriierung der Gewinne vorgesehen. Diese Maßnahmen sollen nicht nur Unternehmungen aus dem Mittelstand treffen, sondern auch große Internationale Konzerne aus Europa, Amerika und Japan. Gerüchten zufolge konnten seit 2015 von westlichen Investoren keine nennenswerte Summen mehr repatriiert werden, wie Robert Spalding in seinem Buch Stealth War dargelegt hat.

Und die Zeiten werden nicht besser, sie werden härter.

Nicht nur die in dem verlinkten Artikel beschriebenen Vorkommnisse sollten beachtet werden, sondern auch die Punkte des folgenden Artikels.

Es ist äußerst gefährlich geworden in China Geschäfte zu machen. Insbesondere, wenn man US Amerikaner, Kanadier oder Australier ist. An dieser Stelle sollten sich die europäischen Unternehmer und Manager nicht denken, dass das nur auf die genannten Nationalitäten beschränkt bleiben wird. Das Verhältnis zwischen den westlichen Demokratien und China wird sich nicht mehr verbessern, vielmehr beständig erodieren. Und es ist hier nicht das Verhalten der westlichen Staaten welches dazu führt, es ist die Kommunistische Partei Chinas welche die Abkopplung initiiert hat. Schon im Jahr 2013 wurde im Dokument 9 festgehalten, dass die Werte und das demokratische System des Westens eine direkte Gefahr für die Partei darstellen. Die KPCh hatte die Wahl zwischen Reformen, Änderung der Internationalen Regeln und oder der Abkopplung von der Internationalen Ordnung.

Sie haben sich Eindeutig für die beiden letzten Punkte entschieden. Nicht nur, dass sie Staaten welche sie als schwach wahrnehmen äußerst undiplomatisch bedrängen, sodass sie nach ihren Wünschen handeln. In vielen Ländern ist auch ein seit mehreren Jahrzehnten aufgebautes Netzwerk aktiv, um die Demokratischen Länder von Innen heraus auszuhöhlen und ihr Handeln zu modellieren. Hier will ich nur kurz auf die Arbeiten von Sinopsis, Prof. Anne-Marie Brady (2017 Magic Weapon), Christopher Balding und die verschiedenen Parlamentsberichte hinweisen, in denen die Werkzeuge der Beeinflussung und deren Verbreitung aufgezeigt werden.

Risiko durch die Abkopplung Chinas vom Internationalen System

Die Partei wird weiterhin die heimischen Märkte abschotten und sogar bisherige Reformen zurückdrehen. Es ist eine Frage des eigenen Überlebens, denn die Mehrheit der unterdrückten Bevölkerung findet in den ineffizienten Staats eigenen Betrieben ihre Arbeit. Das wird natürlich nicht gut aufgenommen in Europa und den USA. Deshalb sind an dieser Stelle zukünftig weitere Zollschranken, Regularien und Sanktionen zu erwarten.

https://der-treuhaender.com/2019/11/28/executive-order-13873-us-department-of-commerce-legt-los/

Besonders die Unterdrückung der Uighuren und anderer ethnischer und religiöser Minderheiten, wird der Partei und mit ihnen Assoziierten Unternehmen auf die Füße fallen.

Hier muss sich jede Unternehmung fragen:

1. Haben wir Aktivitäten in Xinjiang?

2. Wenn ja, sind wir auf irgendeine Art und Weise mit den dort durchgeführten Maßnahmen, wie z.B. die Konzentrationslagern oder Überwachungssystemen verbunden?

Und selbst wenn man die zweite Frage mit nein beantworteten kann, sollte man es sich genau überlegen, denn hier sind weitreichende Maßnahmen der Weltgemeinschaft zu erwarten. Allein eine Anhörung im US Kongress könnte äußerst unangenehm werden für Unternehmungen und ihre Manager, ganz zu schweigen von der Anwendung des Magnitsky Acts oder anderer Gesetze. Im besten Fall wäre es ein PR Gau mit dem damit verbundenen Schaden an der Marke, im schlimmsten Fall kann es das Aus der Unternehmung bedeuten.

Und selbst wenn sich die Aktivitäten der Unternehmung nicht in Xinjiang befinden besteht die schon oben angesprochene Gefahr der nicht vorhandenen Eigentumsrechte.

Die Abkopplung wird von Seiten Chinas betrieben und auch weiter fortgesetzt.

Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem die Partei alle ausländischen Fabriken in Staatshand überführen wird, da die Beziehungen zu den Demokratischen Staaten nicht weiter erodieren können.

Wie das China Tribunal festgestellt hat, handelt es sich hier um einen kriminellen Staatsapparat.

205. However, this much can be said and it is, again, no pleasure for the Tribunal to be saying it not least because it may be an observation Long overdue from responsible governments. In the wonderful, diverse, cultured land of China where, today, the PRC and the CCP may be involved in many more areas of life than is the case in some other countries, any who interact in any substantial way with the PRC including: Doctors and medical institutions; Industry, and businesses, most specifically airlines, travel companies, financial services businesses, law firms and pharmaceutical and insurance companies together with individual tourists, Educational establishments; Arts establishments should now recognise that they are, to the extent revealed above, interacting with a criminal state.

Quelle: China Tribunal

Insgesamt überwiegen die Risiken jeglichen Vorteil den man mit einem China Engagement zur Zeit erzielen kann. Das wird wohl auch solang anhalten bis die Kommunistische Partei Chinas ihr Ende findet.

Perpetual Bonds: Ein altes & kurioses Finanzinstrument

Es ist noch nicht allzu lang her, da hat Österreich eine 100 Jährige Anleihe begeben. Dabei ist die Alpenrepublik nicht das einzige Land welches Anleihen mit einer solch langen Laufzeit begeben hat. Doch es geht noch extremer.

Perpetual Bonds – Die ewigen Anleihen

Die Perpetual Bonds unterscheiden sich gravierend von normalen Bonds / Anleihen. Im Gegensatz zu einer normalen Anleihe kann das Kapital nicht zurückgefordert werden, nur der Emittent selbst kann die Anleihe kündigen, wenn dieses im Kontrakt festgehalten ist. Im Gegenzug zu dieser Einschränkung werden auf ewig Zinsen ausgezahlt. Der Perpetual Bond hat damit keine Laufzeitbegrenzung, er gilt ewig. Aus diesen Gründen werden die ewigen Anleihen zumeist als eine Art Equity angesehen und nicht als Anleihe, denn ihre Preisschwankungen ähneln denen von Aktien.

Eines der früheren Zeugnisse dieser Anleihen Art besitzt die Yale University. Das wirklich besondere an dieser Anleihe, es werden noch immer Zinsen ausgezahlt.

Der Perpetual Bonds, welcher sich im Besitz der Beinecke Rare Book & Manuscript Library befindet, wurde im Jahr 1648 von der Hoogheemraadschap Lekdijk Bovendams emittiert. Damit handelt es sich wirklich um einen besonderen Fall, denn normalerweise verschwindet der Emittent im Laufe der Zeit oder aber er kündigt die Anleihe.

Ob durch Krieg, Revolution oder Insolvenz ist dabei relativ egal, dass Ergebnis ist zumeist das selbe, Einstellung der Zinszahlungen. Verfall der Verpflichtungen.

Dieses traf bei dem oben genannten Emittenten nicht zu, so dass die Stichtse Rjinlanden, als rechtliche Nachfolgerin gegen Vorlage des Bonds die Zinsen weiterhin auszahlt.

Zu Anfangs wurde auf das Papier ein Zinssatz in Höhe von 5% gezahlt, welcher mit der Zeit auf 3,5% und dann auf 2,5% gesenkt wurde.

Durch dezentrale Struktur überlebt

Dass dieser Bonds noch immer aktiv ist, wird auf die relative Autonomie der Waterschappen bzw. Hoogheemraadschappen (Wasserbehörden) auf Regionaler Ebene zurückgeführt. Dadurch waren sie gegenüber dem Glück und Unglück der Regierung der Niederlande relativ geschützt, sodass die ewige Anleihe bis heute überlebt hat.

Inklusive dem Exemplar welches die Beinecke Rare Book & Manuscript Library besitzt, sind fünf dieser ewigen Anleihen der Hoogheemraadschap Lekdijk Bovendams, laut der niederländischen Wasserbehörde, erhalten geblieben.

Oliven & Olivenöl: Handel in der frühen Prinzipats Zeit

Rom, ein Mythos. Nabel der Welt, Caput Mundi. Eine unbedeutende kleine Ansiedlung am Tiber (gegründet 753 v. Chr.) konnte sich nicht nur behaupten, sondern über viele Jahrhunderte zu dem heranwachsen, was man heute unter dem Römischen Imperium versteht. Zuerst Monarchie, die im Jahr 509 v.Chr. mit der Vertreibung des Lucius Tarquinius Superbus endete, danach Republik, welche schlussendlich unter Octavian im Prinzipat aufging (27 v. Chr.).

Der Handel mit Oliven und Olivenöl zur Anfangszeit des Prinzipats ist ein guter Anhaltspunkt, um die wirtschaftlichen Verflechtungen dieser Zeit aufzuzeigen. Wobei ein Streitpunkt zwischen Experten ist, ob die Lieferungen über ein staatliches Verteilsystem erfolgten oder auf Basis des freien Marktes von statten gingen. Für die flavisch-trajanische Zeit ergeben sich aus den Fundmaterialien keine besonderen exklusiven Beziehungen zwischen einzelnen Orten und Südspanien. Es gibt jedoch Hinweise, dass zivile und militärische Versorgungsnetze nebeneinander existierten.

Amphoren als Indikator

Ein hervorragendes Instrument zur Verfolgung der Handelsströme sind Amphoren Funde. Auf ihnen sind oft tituli picti und oder Stempel erhalten, mit deren Hilfe man den Erzeuger und den Handelsweg bestimmen kann. Im Fall vom Oliven und Olivenöl Handel sind die Amphorentypen Dressel 20 & 23 hervorzuheben. Sie werden spätestens seit der Zeit des Tiberius in Südspanien produziert. Auf die besondere Prominenz Südspaniens deuten auch die vielen gefundenen Stempel hin, die sich in ihrer Verteilung in Britannien und Germanien gleichen und selbst in Rom anzutreffen sind. Führend in der flavisch-trajanischen Zeit war die Region um La Catria (Britannien 53% & Germanien 66,3% Fundanteil), gefolgt von der Region Canama (Britannien 17,7%, Germanien 18,4% Fundanteil).

Produktionszentrum Baetica

In der frühen Prinzipatszeit lag das Produktionszentrum für Olivenöl, welches in den Nordprovinzen verbraucht wurde, in der Region Baetica an den Ufern des Guadalquivir. Der Transport ging wohl von Gardes (Cadiz) aus. Die Stellung der Baetica, als einer der Olivenöl Exporteure wurde durch andere sehr begehrte Handelswaren wie Fischsauce und Eisen befördert, denn dadurch sanken die Transportkosten. In der frühen Prinzipatszeit war Nordafrika als Oliven und Olivenöl Quelle für die Nordprovinzen noch nicht etabliert.

Britannien als einer der Zielmärkte

Es ist erstaunlich wie jeder Winkel des römischen Reiches, welches sich erst nach Großbritannien ausgebreitet hatte, durch den Handel miteinander in Verbindung stand. Großbritannien gibt ein gutes Beispiel ab, denn es ist Archäologisch sehr gut erschlossen. Nicht nur die reichhaltigen Amphorenfunde lassen Rückschlüsse auf das Wirtschaftsleben zu, sondern auch ein bedeutender Fund, die Vindolanda Tables. Sie geben einem die Möglichkeit einen Blick in das Lagerleben zu werfen.

Unter den Vindolanda Tables findet man Exemplare, auf dehnen Einkaufslisten erhalten sind (z.B. Nr. 302). Auf dieser Einkaufsliste standen nicht nur regionale Produkte wie Äpfel, Bohnen und Huhn, sondern auch Fischsauce und Oliven. Während die ersten drei aus regionaler Produktion stammen, kann das bei Oliven und Fischsauce ausgeschlossen werden. Diese Produkte stammten aus Spanien, worauf auch viele Amphorenfunde des Typs Dressel 20 hindeuten. Daneben weisen verschiedene tituli picti und Stempel hin.

Der Transport

Der Transport von Gardes bis nach Eburacum ist kein Zuckerschlecken. Laut ORBIS sind es auf der Atlantik Route 3692 Kilometer, für die ein Warentransport mindestens 31 Tage benötigt hat. Das ist nicht nur mit Gefahren verbunden, sondern vor allem mit Kosten. Dass die Atlantikroute genutzt wurde, dafür spricht z.B. ein römische Leuchtturm an der Nordspitze Spaniens wie auch Wrackfunde in diesem Gebiet.

Jedoch ist die Atlantik Route nicht die Einzig mögliche. Eine alternative Route führt über das Mittelmeer nach Südfrankreich und von dort die Rhone hinauf. Dieses lässt sich durch die Existenz eines diffusor olearii in Lugdunum (Lyon) belegen, denn wäre hier nicht ein wichtiger Knotenpunkt des Olivenhandels hätte es diese Tätigkeit in Lugdunum nicht gegeben. Welche Rolle die diffusor olearii genau gespielt haben ist umstritten. Es wird vermutet, dass sie entweder Großhändler waren oder Vermittler zwischen den Produzenten und Händlern in den einzelnen Provinzen. Ein weiteres Argument welches für die Mittelmeer Route spricht ist der Fund mehrerer Schiffwracks bei Port Vendres. Darüber hinaus ist diese Route schon zuvor für den Handel mit Fischsauce genutzt worden.

Insgesamt ist anzunehmen, dass rein nach Kosten und Risiken entschieden wurde welche Handelsroute schlussendlich gewählt wurde und diese nicht fixiert waren.

Die Organistaion

Neben dem Plantagenbesitzern und dem Konsument, lassen sich mindestens drei Agenten identifizieren. Diese sind der diffusor olearii, die mercatores (Händler) und die navicularii (Schifftransport). Interessanterweise lassen sich aus den Stempeln einige Produzenten und Besitzer von Olivenöl identifizieren, wie auch Händler und Händlervereinigungen (societas) durch die tituli picti.

Eine societas, die mit dem Olivenölhandel mit Vindolanda in Verbindung gebracht werden kann ist die der Aemilii und Casii aus Rom. Dies ist durch eine beschriftete Dressel 20 Scherbe nachweisbar.

Da Oliven und Olivenöl an sich schon ein recht teures Gut sind und der Transport zusätzliche Kosten verursacht hat, sind hier wahrscheinlich beträchtliche Geldbeträge geflossen. Doch wie wurden diese gehandhabt? Die Übersendung von mehreren hundert denarii in bar erscheint zu aufwendig gewesen zu sein, denn ein solcher Transport hätte einiges an Absicherungen benötigt.

Zahlungen auf Basis persönlicher Bindungen?

Die Permutatio, wie sie bei Cicero beschrieben ist, könnte hier für Abhilfe gesorgt haben. Unter der Permutatio versteht man eine Art Dreiecksbeziehung. Gläubiger A weist seinen Schuldner B in Stadt X an eine gewisse Summe an Person C in der Stadt X zu übergeben. Im Gegenzug dazu wird dem Schuldner B die übergebene Summe von seinen Schulden abgezogen.

Aufgrund von verschiedenen Funden, unteranderem bei den Vindolanda Tables, ist davon auszugehen, dass diese Art der Bezahlung auf Vertrauen basierte. Die Voraussetzung war ein großes Netz persönlicher Beziehungen, bis in die entferntesten Gebiete des römischen Reiches hinein. Es gab also direkte persönliche Beziehungen zwischen den verschiedenen Personen an den jeweiligen Orten, um den Zahlungsverkehr praktisch zu regeln. Es lag hier wohl mehr eine Soziale Kontrolle zugrunde, als eine juristische.

Es sind jedoch auch andere Methoden zur Zahlungsabwicklung bekannt, die aber nicht direkt mit Britannien oder Germanien in Verbindung gebracht werden können. Dazu zählt z.B. eine Art Rektascheck, welcher im griechisch römischen Ägypten Verwendung fand. Es handelte sich hierbei um einen nicht übertragbaren Scheck. Ob diese Art der Zahlungsabwicklung in den Nordprovinzen überhaupt möglich war ist nicht bestimmbar. Es ist aber fraglich ob hier ein dem mediterranen Raum vergleichbares Banksystem existiert hat.

Zwischen Bürokratie und Markt

Während Getreiderationen, Futtermittel, Kleidung, Waffen, Bier und Wein für die Soldaten durch die Militärbürokratie beschafft wurden, kann das nicht vom Olivenöl behauptet werden.

Trotz der gelegentlichen Ausgabe von Olivenöl als Ration, kann davon ausgegangen werden, dass in der flavisch-trajanischen Zeit der Handel mit diesem Produkt auf privater Initiative beruhte. Sie wurde zwar durch den Staat gefördert, indem die navicularii Vergünstigungen zugesprochen bekamen, doch ist das nicht mehr als eine Subvention, mit dem Ziel diese Tätigkeit zu forcieren. Sie ist definitiv nicht mit der cura annona zu vergleichen.

Das Netz persönlicher Beziehungen war in dieser Zeit ausschlaggebend für den Handel und die Zahlungsabwicklung, ohne dass der Staat diesen Zentral gesteuert hat. Darauf verweisen auch die dezentralen Zahlungsarten hin, welche ansonsten nicht von Nöten gewesen wären. An dieser Stelle war wahrscheinlich auch das Betätigungsfeld des deffusor olearii, der Beziehungen zu Produzenten und Händler unterhielt und diese zusammenführte.

Die römische Wirtschaft war zur flavisch-trajanischen Zeit eindeutig keine Kommandowirtschaft, welche sich in jegliche Bereiche dirigistisch einmischte.