Der Treuhänder

Oliven & Olivenöl: Handel in der frühen Prinzipats Zeit

Rom, ein Mythos. Nabel der Welt, Caput Mundi. Eine unbedeutende kleine Ansiedlung am Tiber (gegründet 753 v. Chr.) konnte sich nicht nur behaupten, sondern über viele Jahrhunderte zu dem heranwachsen, was man heute unter dem Römischen Imperium versteht. Zuerst Monarchie, die im Jahr 509 v.Chr. mit der Vertreibung des Lucius Tarquinius Superbus endete, danach Republik, welche schlussendlich unter Octavian im Prinzipat aufging (27 v. Chr.).

Der Handel mit Oliven und Olivenöl zur Anfangszeit des Prinzipats ist ein guter Anhaltspunkt, um die wirtschaftlichen Verflechtungen dieser Zeit aufzuzeigen. Wobei ein Streitpunkt zwischen Experten ist, ob die Lieferungen über ein staatliches Verteilsystem erfolgten oder auf Basis des freien Marktes von statten gingen. Für die flavisch-trajanische Zeit ergeben sich aus den Fundmaterialien keine besonderen exklusiven Beziehungen zwischen einzelnen Orten und Südspanien. Es gibt jedoch Hinweise, dass zivile und militärische Versorgungsnetze nebeneinander existierten.

Amphoren als Indikator

Ein hervorragendes Instrument zur Verfolgung der Handelsströme sind Amphoren Funde. Auf ihnen sind oft tituli picti und oder Stempel erhalten, mit deren Hilfe man den Erzeuger und den Handelsweg bestimmen kann. Im Fall vom Oliven und Olivenöl Handel sind die Amphorentypen Dressel 20 & 23 hervorzuheben. Sie werden spätestens seit der Zeit des Tiberius in Südspanien produziert. Auf die besondere Prominenz Südspaniens deuten auch die vielen gefundenen Stempel hin, die sich in ihrer Verteilung in Britannien und Germanien gleichen und selbst in Rom anzutreffen sind. Führend in der flavisch-trajanischen Zeit war die Region um La Catria (Britannien 53% & Germanien 66,3% Fundanteil), gefolgt von der Region Canama (Britannien 17,7%, Germanien 18,4% Fundanteil).

Produktionszentrum Baetica

In der frühen Prinzipatszeit lag das Produktionszentrum für Olivenöl, welches in den Nordprovinzen verbraucht wurde, in der Region Baetica an den Ufern des Guadalquivir. Der Transport ging wohl von Gardes (Cadiz) aus. Die Stellung der Baetica, als einer der Olivenöl Exporteure wurde durch andere sehr begehrte Handelswaren wie Fischsauce und Eisen befördert, denn dadurch sanken die Transportkosten. In der frühen Prinzipatszeit war Nordafrika als Oliven und Olivenöl Quelle für die Nordprovinzen noch nicht etabliert.

Britannien als einer der Zielmärkte

Es ist erstaunlich wie jeder Winkel des römischen Reiches, welches sich erst nach Großbritannien ausgebreitet hatte, durch den Handel miteinander in Verbindung stand. Großbritannien gibt ein gutes Beispiel ab, denn es ist Archäologisch sehr gut erschlossen. Nicht nur die reichhaltigen Amphorenfunde lassen Rückschlüsse auf das Wirtschaftsleben zu, sondern auch ein bedeutender Fund, die Vindolanda Tables. Sie geben einem die Möglichkeit einen Blick in das Lagerleben zu werfen.

Unter den Vindolanda Tables findet man Exemplare, auf dehnen Einkaufslisten erhalten sind (z.B. Nr. 302). Auf dieser Einkaufsliste standen nicht nur regionale Produkte wie Äpfel, Bohnen und Huhn, sondern auch Fischsauce und Oliven. Während die ersten drei aus regionaler Produktion stammen, kann das bei Oliven und Fischsauce ausgeschlossen werden. Diese Produkte stammten aus Spanien, worauf auch viele Amphorenfunde des Typs Dressel 20 hindeuten. Daneben weisen verschiedene tituli picti und Stempel hin.

Der Transport

Der Transport von Gardes bis nach Eburacum ist kein Zuckerschlecken. Laut ORBIS sind es auf der Atlantik Route 3692 Kilometer, für die ein Warentransport mindestens 31 Tage benötigt hat. Das ist nicht nur mit Gefahren verbunden, sondern vor allem mit Kosten. Dass die Atlantikroute genutzt wurde, dafür spricht z.B. ein römische Leuchtturm an der Nordspitze Spaniens wie auch Wrackfunde in diesem Gebiet.

Jedoch ist die Atlantik Route nicht die Einzig mögliche. Eine alternative Route führt über das Mittelmeer nach Südfrankreich und von dort die Rhone hinauf. Dieses lässt sich durch die Existenz eines diffusor olearii in Lugdunum (Lyon) belegen, denn wäre hier nicht ein wichtiger Knotenpunkt des Olivenhandels hätte es diese Tätigkeit in Lugdunum nicht gegeben. Welche Rolle die diffusor olearii genau gespielt haben ist umstritten. Es wird vermutet, dass sie entweder Großhändler waren oder Vermittler zwischen den Produzenten und Händlern in den einzelnen Provinzen. Ein weiteres Argument welches für die Mittelmeer Route spricht ist der Fund mehrerer Schiffwracks bei Port Vendres. Darüber hinaus ist diese Route schon zuvor für den Handel mit Fischsauce genutzt worden.

Insgesamt ist anzunehmen, dass rein nach Kosten und Risiken entschieden wurde welche Handelsroute schlussendlich gewählt wurde und diese nicht fixiert waren.

Die Organistaion

Neben dem Plantagenbesitzern und dem Konsument, lassen sich mindestens drei Agenten identifizieren. Diese sind der diffusor olearii, die mercatores (Händler) und die navicularii (Schifftransport). Interessanterweise lassen sich aus den Stempeln einige Produzenten und Besitzer von Olivenöl identifizieren, wie auch Händler und Händlervereinigungen (societas) durch die tituli picti.

Eine societas, die mit dem Olivenölhandel mit Vindolanda in Verbindung gebracht werden kann ist die der Aemilii und Casii aus Rom. Dies ist durch eine beschriftete Dressel 20 Scherbe nachweisbar.

Da Oliven und Olivenöl an sich schon ein recht teures Gut sind und der Transport zusätzliche Kosten verursacht hat, sind hier wahrscheinlich beträchtliche Geldbeträge geflossen. Doch wie wurden diese gehandhabt? Die Übersendung von mehreren hundert denarii in bar erscheint zu aufwendig gewesen zu sein, denn ein solcher Transport hätte einiges an Absicherungen benötigt.

Zahlungen auf Basis persönlicher Bindungen?

Die Permutatio, wie sie bei Cicero beschrieben ist, könnte hier für Abhilfe gesorgt haben. Unter der Permutatio versteht man eine Art Dreiecksbeziehung. Gläubiger A weist seinen Schuldner B in Stadt X an eine gewisse Summe an Person C in der Stadt X zu übergeben. Im Gegenzug dazu wird dem Schuldner B die übergebene Summe von seinen Schulden abgezogen.

Aufgrund von verschiedenen Funden, unteranderem bei den Vindolanda Tables, ist davon auszugehen, dass diese Art der Bezahlung auf Vertrauen basierte. Die Voraussetzung war ein großes Netz persönlicher Beziehungen, bis in die entferntesten Gebiete des römischen Reiches hinein. Es gab also direkte persönliche Beziehungen zwischen den verschiedenen Personen an den jeweiligen Orten, um den Zahlungsverkehr praktisch zu regeln. Es lag hier wohl mehr eine Soziale Kontrolle zugrunde, als eine juristische.

Es sind jedoch auch andere Methoden zur Zahlungsabwicklung bekannt, die aber nicht direkt mit Britannien oder Germanien in Verbindung gebracht werden können. Dazu zählt z.B. eine Art Rektascheck, welcher im griechisch römischen Ägypten Verwendung fand. Es handelte sich hierbei um einen nicht übertragbaren Scheck. Ob diese Art der Zahlungsabwicklung in den Nordprovinzen überhaupt möglich war ist nicht bestimmbar. Es ist aber fraglich ob hier ein dem mediterranen Raum vergleichbares Banksystem existiert hat.

Zwischen Bürokratie und Markt

Während Getreiderationen, Futtermittel, Kleidung, Waffen, Bier und Wein für die Soldaten durch die Militärbürokratie beschafft wurden, kann das nicht vom Olivenöl behauptet werden.

Trotz der gelegentlichen Ausgabe von Olivenöl als Ration, kann davon ausgegangen werden, dass in der flavisch-trajanischen Zeit der Handel mit diesem Produkt auf privater Initiative beruhte. Sie wurde zwar durch den Staat gefördert, indem die navicularii Vergünstigungen zugesprochen bekamen, doch ist das nicht mehr als eine Subvention, mit dem Ziel diese Tätigkeit zu forcieren. Sie ist definitiv nicht mit der cura annona zu vergleichen.

Das Netz persönlicher Beziehungen war in dieser Zeit ausschlaggebend für den Handel und die Zahlungsabwicklung, ohne dass der Staat diesen Zentral gesteuert hat. Darauf verweisen auch die dezentralen Zahlungsarten hin, welche ansonsten nicht von Nöten gewesen wären. An dieser Stelle war wahrscheinlich auch das Betätigungsfeld des deffusor olearii, der Beziehungen zu Produzenten und Händler unterhielt und diese zusammenführte.

Die römische Wirtschaft war zur flavisch-trajanischen Zeit eindeutig keine Kommandowirtschaft, welche sich in jegliche Bereiche dirigistisch einmischte.

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