Der Treuhänder

Am Problem vorbei: Antwort der EU auf die Energiekrise

Die angedachte Antwort der EU auf die heraufziehende Energiekrise geht an der Problemstellung vorbei. Ja manche angedachte Maßnahmen, wie z.B. die Reduktion von Steuern sind eine Möglichkeit die Haushalte zu entlasten, das Problem selbst wird dadurch jedoch nicht gelöst. Europa und Asien leiden an sehr hohen Energiepreisen, die durch ein Angebotsdefizit auf dem Gas Markt verursacht werden. Diesem Problem kann man nicht begegnen in dem man die Verbraucher (Konsumenten und Wirtschaft) subventioniert. Egal wie diese Subventionen ausgestaltet wären, sie würden die Preisfunktion aushebeln und damit die Krise verschärfen, nicht lindern. Durch die angedachte Subventionierung der Verbraucher würde die Zerstörung der Nachfrage ausgesetzt und der Energiemarkt könnte nicht zu einem Gleichgewicht zurückfinden. Das Angebot kann offensichtlich nicht adhoc erhöht werden, also muss auf der Nachfrageseite jemand aufgeben, sodass Angebot und Nachfrage erneut im Einklang sind. Ist diese Funktion Ausgehebelt so besteht die Gefahr, dass am Ende alle, aufgrund leerer Gasspeicher, einen Stromausfall erleiden werden. Eine potentielle Gefahr, die die Kosten der Nachfragezerstörung für die Gesellschaft bei weitem übertreffen würde.

Die Langfrist Antwort der EU ist leider auch nicht wesentlich besser. Im verstärkten Ausbau der Erneuerbaren soll das Heil liegen. Dabei werden einige Dinge leider ignoriert.

Energiequellen die von verschiedenen Umweltbedingungen abhängig sind benötigen weitere Infrastruktur, die natürlich zusätzliche Kosten verursacht. Oft müssen Gas- und oder Kohlekraftwerke einspringen, um die erheblichen Schwankungen auszugleichen. Damit dieses überhaupt nur möglich ist, muss jede MWh Erneuerbare Energie mit einer Energiequelle die zu 100% kontrollierbar ist gespiegelt werden. Das verteuert die Stromrechnung aller Verbraucher, wie es in den „Grünsten“ Ländern zu beobachten ist. Daneben wird so natürlich auch die Nachfrage nach Gas und Kohle gefördert und nicht gemindert, insbesondere weil die AKW´s vom Netz genommen werden. Ein Phänomen was in den „Grünsten“ Ländern neben den steigenden Energiekosten beobachtet werden kann. Daraus ergeben sich für die Gesellschaft weitere versteckte Kosten, welche im Endeffekt alle die Produktivität der Wirtschaft mindern. Das bedeutet, dass was innerhalb einer Gesellschaft als ganzes Verteilt werden kann nimmt ab. Der Wohlstand nimmt ab, die Armut nimmt zu, die Bürger können sich weniger leisten und damit sinkt insgesamt die Lebensqualität.

Energie Armut gleich wirtschaftliche Armut, Energie Überschuss gleich wirtschaftlicher Wohlstand.

Zusätzlich besteht der Irrglaube in der Politik, dass die Preise für Erneuerbare Energie stabil sind und keinen Einflüssen unterworfen seien. Das ist ein Trugschluss!

Unteranderem definieren folgende Faktoren den Preis Erneuerbarer Energiequellen:

  1. Für den Bau Erneuerbarer Energiequellen benötigt man Rohstoffe, deren Preise starken Schwankungen unterliegen. Aufgrund der Bemühungen Erneuerbare schnellst möglich zu implementieren und gleichzeitig den Verkehr zu elektrifizieren steigt natürlich die Nachfrage nach den entsprechenden Rohstoffen erheblich an. Deren Angebot ist leider genauso begrenzt wie das Angebot von Gas, Öl und Kohle. Und wie bei den Fossilen Energieträgern so wirkt sich auch bei den benötigten Mineralen die Politik der vergangenen 20 Jahre ungewollt Angebots mindernd aus. Ein Umstand der sich in rasant ansteigenden Metalpreisen manifestiert und am Ende die Kosten für den Bau, Instandhaltung und Reparatur der Erneuerbaren dramatisch erhöhen wird.
  2. Bläst kein Wind, die Sonne versteckt sich hinter den Wolken und sind die Energiespeicher / Batterien leer, dann steigt der Preis pro Energie Einheit ins Unendliche, da das Angebot komplett ausfällt. Die Schwankungen im Energiepreis wären zukünftig wahrscheinlich noch wesentlich häufiger und volatiler als sie es bisher sind. Steigt der Preis der Energie um x% an, dann hat sich die Verfügbarkeit der Energie um den gleichen Faktor verringert. Preise drücken Überfluss oder Knappheit aus.
  3. Auch die Lohnkosten werden aufgrund des Inflationären Drucks mit der Zeit ansteigen und so die Kosten für den Bau und Betrieb von Erneuerbaren mit beeinflussen.

Die angedachte Antwort der EU auf die Energiekrise geht damit an der Realität vorbei. Ignoranz, Arroganz, keine Ergebnisoffene Evaluierung der bisherigen Auswirkungen Politischer Entscheidungen auf die globalen Energiemärkte führen zu schlechten Entscheidungen. Die OODA Loop ist hier gestört. Weil die Beobachtung (Observe) nicht mehr klar stattfinden kann, sondern politischen Wünschen unterliegt, ist der darauf folgende Prozess (Orient, Decide & Act) zum Scheitern verurteilt. Durch den Unwillen das eigene Handeln Ergebnisoffen zu evaluieren kann aktuell der Prozess auch nicht neu gestartet werden und befindet sich damit unweigerlich in einer Wiederholungsschleife des beständigen Versagens.

Damit diese Schleife beendet werden kann, muss

  • die Praxis Politische Wünsche als erfolgte Beobachtungen auszugeben ein Ende finden, damit
  • eine holistische Erfassung des Energiemarktes erfolgen kann und die Auswirkungen bisheriger Politischer Entscheidungen auf diesen Ergebnisoffen evaluiert werden. Sodass im Anschluss
  • ein Plan entwickelt werden kann, der auf existierenden Technologien basiert und nicht davon ausgeht das neue Technologien einfach so vom Himmel fallen und sofort einsetzbar sein werden. Hierbei müssen natürlich die Lieferketten mit bedacht werden. Die Herkunft der benötigten Ressourcen und Vorleistungen müssen sich im eigenen Machtbereich befinden.

Das alles muss nicht unbedingt öffentlich erfolgen, doch intern ist es ein Muss, sodass erfolgte Fehler korrigiert werden können und die OODA Schleife der Entscheidungsträger erneut funktionieren kann.

Das positive ist, an dieser Stelle entwickelt sich ein neuer Trend. Die Staaten der 3SI, Frankreich und einige andere europäische Länder befürworten mittlerweile den Neubau von Atomkraftwerken. Es wäre eine mögliche Basis für einen Plan, der, wie es Frankreich nach der Energiekrise der 70iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gezeigt hatte, relativ schnell umsetzbar wäre. Jedoch wird der voraussichtlich kommende Ausbau der Atomkraft das aktuelle Problem nicht kurzfristig lösen. Um das Problem der Gas-Knappheit für die kommenden Jahre zu lösen wird wahrscheinlich nur eines helfen: Drill Baby, Drill!

Der Weg in das Lieferketten Chaos

Was führte zu dem Chaos, dessen wir aktuell Zeuge werden können? Dieser Frage möchte ich hier in kurzer Form nachgehen. Ich denke eine historische Betrachtung ist hier entscheidend, da nicht ein Ereignis, sondern eine Vielzahl von Ereignissträngen dazu führte, dass sich die Wirtschaft des Westens nun im Chaos befindet.

  • Formulierung der Affluent Society (John Kenneth Galbraith, 1958): Es ist egal Wo und Wie Etwas produziert wird, da das Problem des Reichtums gelöst sei. Alle anderen Probleme werden schon von den Konzernen gelöst.
  • Auf Basis dieser falschen Erkenntnis, folgte die Globalisierung, welche politisch gewollt war. Damit ging dann auch das Outsourcing einher. Ein Umstand der im Westen positiv gesehen wurde, da so Industriezweige in andere Länder verlagert werden konnten, die die größte Umweltverschmutzung verursachten. Es war innenpolitisch opportun und die Industrie hatte bestimmt auch nichts dagegen einzuwenden, da sie so a) günstig ihr Image aufbessern konnte und b) teure gegen billige Arbeitsplätze tauschen konnte.
  • Über die Zeit erfolgte eine Konzentration der Produktionsstätten in wenigen Ländern, wichtige Vorleistungen werden mittlerweile vornehmlich in China produziert. Diese fast Monopolisierung der Lieferketten führte dazu, dass eine kleine Unterbrechung an der richtigen Stelle kaskadenhafte Auswirkungen haben kann. Die Resilienz der Wirtschaft und Gesellschaft nahm dadurch ab.
  • Der Fall der Mauer und der darauffolgende Zusammenbruch der Sowjetunion beschleunigten nochmals den Trend der Globalisierung und die Frage des Wo und Wie wurden vollends vergessen. Die Monopolisierung vieler Wirtschaftsbereiche schritt nun schneller voran, womit die Fragilität des schnell anwachsenden Sandhaufens weiter erhöht wurde. Auch die Aufnahme Chinas in die WTO hat nicht zu einer Stabilisierung beigetragen, da sie sich meistens nicht an die Regeln halten bzw. diese geschickt umgehen. Das damit zusammenhängende Preisdumping führte über die Zeit dazu, dass die Globale Konkurrenz verdrängt wurde / wird.
  • Das Quantitative Easing 1 – 3 als Antwort auf die Große Finanzkrise hatte ungewollte Auswirkungen. Es steht entgegen dem Natürlichen Verhalten des Menschen. Sind die Zinsen zu gering, so wird die Überproduktion nach und nach eingestellt, dass führt dann zu einer Knappheit an Waren und Dienstleistungen (vgl. dazu die verschiedenen Aufsätze von Walter Bagehot & Claude Frédéric Bastiat).
  • Die Machtübernahme Xi Jinpings und die damit eintretende Veränderung im Verhalten der CCP.
  • Handelsembargo China gegenüber dem Westen, da sie wahrscheinlich nicht genügend Zinsen auf ihre Exportüberschüsse erhalten. Sie fühlen sich wohl betrogen bzw. wollen nicht gegen „Glasperlen“ Exportieren. Hier spielen viele Faktoren mit hinein, wahrscheinlich auch die vorherrschende Ideologie. Die CCP ist eine Marxistisch-Leninistische Partei.
  • Präsident Trump Antwortete auf das destruktive Verhalten der CCP mit Handelsschranken, wie z.B. Zöllen, was diesen Lieferketten Krieg (Namensschöpfung by (Twitter)@ektrit) beschleunigt hatte. Das Planlose handeln hat die Lage innerhalb der Lieferketten verschärft.
  • Die angeordneten Maßnahmen der Regierungen Weltweit im „Kampf“ gegen die Pandemie plus die Grauzohnen Taktiken der CCP gegenüber dem Westen brachten schlussendlich den riesigen Sandhaufen ins rutschen. Grauzohnen Taktiken sind in diesem Fall z.B. Behinderung des Internationalen Handels unter dem Deckmantel von Energieknappheit, Marine Manöver im Südchinesischen Meer, sporadisch auftretendes Phänomen das nur chinesische Handelsschiffe in ihren weltweiten Hafenanlagen abgefertigt werden, Cyberkriegsführung gegen die westliche Logistik Industrie und Infrastruktur, usw.
  • Präsident Biden hat offensichtlich auch keinen Plan und behält die Politik Trumps bei. Diese Politik war und ist leider der Zweite Schritt vor dem Ersten.
  • China setzt die über Jahrzehnte entstandenen Lieferketten als eine asymmetrisch wirkende Waffe gegen den gesamten Westen ein, um so den eigenen Zielen näher zu kommen.

Der chaotische Zusammenbruch der Lieferketten muss unterbunden und die Entflechtung muss von den involvierten Seiten zusammen aktiv gemanagt werden. Ob dieses offen erklärt wird oder hinter verschlossenen Türen vonstatten geht ist egal. Das Ziel wäre es die von beiden Seiten gewollte Entflechtung geordnet zu vollziehen. Dafür wird ein Plan benötigt und die Umsetzung braucht sehr viel Zeit. Die Alternative dazu wäre ein kompletter Zusammenbruch der Lieferketten, was zwangsläufig in einen weltumspannenden Krieg führen würde. Wenn Waren die Ländergrenzen nicht überschreiten können, dann werden es die Soldaten tun.

Energie Preise: Polysynchrone Fehlerkaskade

Seit Tagen gerät die Aufziehende Energiekrise in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Ursachen sind mannigfaltiger Natur und sind in den politischen Entscheidungen der vergangenen 20 Jahre zu finden. Schnell sind Stimmen zu vernehmen, die fordern den Energiepreis im Inneren zu deckeln. Es wäre eine schlechte Idee, denn es gilt:

  1. Unabhängig davon, welches System ein Staat im Inneren anwendet, um die zur Verfügung stehenden Ressourcen (hierzu zählt auch Energie) zu verteilen, muss er sich auf dem Internationalen Markt dem Wettkampf um die gewollten und oder benötigten Ressourcen / Güter stellen. Dafür werden US Dollar benötigt, die von jedem einzelnen Staat erwirtschaftet werden müssen, ex USA.
  2. Inflation = Knappheit ; Im Bezug auf den Gasmarkt: Künstlich gesteigerte Nachfrage trifft auf eine künstlich unterdrückte Produktion.

Das bedeutet, dass eine Strompreisdeckelung zwangsläufig dazu führt, dass die Steuerlast erhöht werden muss, denn die benötigte Energie kaufen wir auf dem Weltmarkt ein. Diesen Preis kann kein Staat beeinflussen. Der Staat wäre gezwungen die Versorger mit hohen Subventionen am Leben zu halten oder diese sogar zu übernehmen, da die Versorger im Einkauf der Energiequellen die Rechnung zu zahlen haben. Ist der Preis den die Versorger vom Kunden verlangen können gedeckelt, so kommen sie sehr schnell an den Punkt, an dem sie selber die Rechnungen nicht mehr zahlen können, weswegen der Staat gezwungen sein würde die Rechnung zu übernehmen und letztendlich mit Steuergeldern zu finanzieren.

Die Versteckten Kosten dieser aufziehenden Energiekrise sind noch viel bedeutender, denn die moderne Landwirtschaft ist „Magie“: Sie wandelt durch ihre Arbeit Fossile Energieträger in Nahrungsmittel um!

Polysynchrone Fehlerkaskade in Aktion

Deshalb führen steigende Energiepreise zwangsläufig zu steigenden Lebensmittelpreisen (Kosten Agrar Sektor: Betriebsmittel, Düngemittel (Preis auch entscheidend was und wieviel angepflanzt wird / angepflanzt werden kann), Ersatzteile, …), wodurch sich dann die betroffenen Bürger bei anderen Produkten / Dienstleistungen eher zurückhalten müssen, da sie sich insgesamt weniger leisten können. Ein Umstand der dann andere Bereiche der Wirtschaft / Gesellschaft belasten wird. Neben den steigenden Input Preisen in der Landwirtschaft wirken die Energiepreise natürlich auch auf die Verarbeitenden Industrien.

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Der Ausfall von Kunstdüngerproduktion führt zwangsläufig zu einer Verknappung des CO² Angebots, welches in der Lebensmittelindustrie Verwendung findet. Dieses wird zum Beispiel für Getränke verwendet aber auch zum abpacken von Fleisch und dem verpacken anderer Nahrungsmittel. Fällt also die CO² Produktion aus, dann herrscht innerhalb kürzester Zeit (wenige Tage) Knappheit bei den zur Verfügung stehenden Lebensmitteln.

Darüber hinaus sind Öl und Gas elementar für die Kunststoffproduktion. Steigen hier die Kosten, so steigen dann auch die Kosten für Verpackungsmaterialien, solang überhaupt genügend Rohstoffe zur Verfügung stehen, um diese zu erzeugen. Gerüchten zufolge prüfen einige Kraftwerksbetreiber oder sind schon dazu übergegangen Gas mit anderen Petrochemischen Produkten wie Naphtha zu ersetzen, was automatisch zu einer Minderung der Kunststoffproduktion führt / führen würde.

Daneben muss man sich vorstellen, dass im Energiesektor all die Up-, Mid- und Downstream Unternehmungen auf Ersatzteile und Vorleistungen angewiesen sind, die selber wiederum aufgrund der im vergangenen und diesem Jahr von Staatsseite durchgesetzten Maßnahmen knapp geworden sind.

Diese Polysynchrone Fehlerkaskade ließe sich hier noch wesentlich weiter und detaillierter aufführen, doch denke ich, dass die hier vorgestellten Probleme einem eine gute Vorstellung davon vermitteln, wie komplex doch unsere Wirtschaft / Gesellschaft organisiert ist.

Wenn eine Gesellschaft dem Irrglauben aufsitzt, dass es unbedeutend ist wo und wie etwas produziert und im Anschluss verteilt wird, so wie es sich in den 70iger Jahren durchgesetzt hat, dann entsteht ein sich selbst destabilisierendes System. Der Vordenker dieser „Erkenntnis“, dass das Wo und Wie egal sei, war John Kenneth Galbraith, welcher im Jahr 1958 die „Affluent Society“ formuliert hatte. Er war der Überzeugung, dass das Problem des Wohlstandes gelöst sei und sich die Konzerne um alles andere schon kümmern würden. Die Konzentration auf den Endverbrauch bei völliger Ignoranz gegenüber der Förderung / Erzeugung und anschließender Verteilung ist ein Gesellschaftlicher Irrtum. Überoptimierung führte zu geminderter Resilienz durch Monopolisierung was wiederum zu fragilen Lieferketten führt.

Der Grund des jetzt zusammensackenden Sandberges (ein sich selbst destabilisierendes System) wurde schon vor vielen Jahrzehnten gelegt und es wird bis zum heutigen Tag versucht diesen weiter aufzutürmen. Doch der Auslöser dieser Polysynchronen Fehler Kaskade liegt in der Politik des Lockdowns begründet. Die Wirtschaft kann man nicht einfach so aus- und wieder anschalten. Der riesige Sandberg ist ins rutschen geraten, wobei weder die zeitliche Ausdehnung wie auch der Umfang ungewiss sind.

Die aktuelle Lage innerhalb der Lieferketten / Wertschöpfungsketten / Wirtschaft / Gesellschaft kann man sich in etwa folgendermaßen Vorstellen: Man hat sein eigenes Haus angezündet und muss es erneut aufbauen, wobei man gleichzeitig dafür gesorgt hat, dass die benötigten Baumaterialien und Arbeiter den Baugrund nicht ohne weiteres erreichen können. Im Faktor Zeit gesehen muss man verstehen, dass es wesentlich weniger Zeit in Anspruch nimmt ein Haus zu zerstören, als es aufzubauen.

Nachrichten: Mittelmeer + Mittlerer Osten, Indopazifik, Defense & Agrar

Einige wichtige Meldungen aus der Welt.

  • Griechenland entsendet Patriot Batterien um Saudi-Arabien in seinen Verteidigungsbemühungen zu unterstützen und um die Lücke zu schließen, welche durch den Abzug der US Patriot Batterien geschaffen wurde. Die Kooperation zwischen Griechenland und den Abraham Nations vertieft sich immer weiter. In diesem Zusammenhang ist es auch bedeutend, dass Israel von der Zuständigkeit des EUCOMs hin zur Verantwortlichkeit des CENTCOMs verschoben wurde. Die Region ist das Gateway für den Handel zwischen Europa und den Indopazifischen Staaten. Entsteht hier eine neue alte Handelsföderation? Meldung Griechenland – Saudi-Arabien; Meldung Israel EUCOM zu CENTCOM
  • AUKUS: UK und USA wollen mit Australien die Technologie zum Bau von Atom-Ubooten teilen. Das hat weitreichende Auswirkungen auf die Australische Verteidigungsbereitschaft und Wirtschaft. Damit ein Staat Atom-Uboote betreiben kann benötigt er auch die gesamte zugehörige Nuklear Industrie. Das Frankreich hier aus einem schon bestehenden Deal verdrängt wurde ist, den Unkenrufen zu trotz, nicht weiter tragisch. Die französische Wirtschaft wird von der Anglosphäre durch Aufträge an anderer Stelle ausreichend entschädigt werden. Das Australien Atom-Uboote bauen will ist ein Zeichen für die Region und insbesondere für Beijing. Die Uboote selbst sollen in Adelaide gebaut werden, was zu der Vermutung führen kann, dass die Astute Klasse von BAE Systems das Rennen machen wird. – Meldung AUKUS
  • CF Industries ist durch die Energieknappheit in Großbritannien gezwungen die Produktion an ihren zwei Standorten zu unterbrechen. Das wird Auswirkungen auf die Europäischen Kunstdünger Preise haben und damit wahrscheinlich auch auf die Preissteigerung bei den Nahrungsmitteln. – Meldung CF Industries

Neues aus den Sektoren: Agriculture, Mining, O&G, Defense & Transport

Das Inflationsgespenst

Steigenden Preise haben für die Mehrheit der Bevölkerung zumeist negative Auswirkungen auf den jeweiligen Lebensstandard. Hier geht es einfach darum was sich ein Individuum / Haushalt überhaupt leisten kann. Nicht der eigentliche Preis ist also ausschlaggebend, sondern was sich die Bürger leisten können.

Das bedeutet:

Inflation = Knappheit

Deflation = Überangebot

Damit kann man sagen, dass die Inflation für keinen Menschen von Nutzen ist, denn die Knappheit von Gütern und Dienstleistungen führt dazu, dass sie sich kaum einer leisten kann. Demgegenüber steht die Deflation, die ein Ausdruck eines Überangebots von diesen Dingen ist. Das führt dazu, dass sich die Bürger mehr leisten können und damit ihr Lebensstandard ansteigt. Ein Umstand, den man als allgemein positiv bezeichnen kann.

Die jetzt stattfindende Inflation hat ihre Ursache in den zusammenbrechenden Lieferketten. Es tobt aktuell ein Wirtschaftskrieg, der Teil des neuen Kalten Krieges zwischen China und dem „Westen“ ist. Der letzte Schritt von chinesischer Seite aus sind Marine Manöver in der Straße von Bohai, womit der schon jetzt immense Warenstau weiter verschärft wird. Alle Schritte Chinas deuten auf ein nicht offiziell erklärtes Handelsembargo gegenüber dem „Westen“ hin.

Dieser neue Kalte Krieg ist ein Teil des Puzzles, welches zu der jetzt zu beobachtenden Waren / Güter Knappheit und damit der Inflation führt. Ein weiteres Puzzle Teil ist eine über Jahrzehnte verfehlte Außen- und Wirtschaftspolitik, die durch schlechte Notenbank Politik begleitet wurde und wird. Die schlechte Notenbankpolitik im Zusammenspiel mit dem natürlichen Verhalten des Menschen ist ein gern übersehener Faktor, der zu einer Abnahme der Wirtschaftlichen Aktivität beiträgt. Wo nichts produziert wird, dort kann auch nichts verteilt werden, was schlussendlich Knappheit bedeutet. Geld kann man nicht essen!

Das natürliche Verhalten des Menschen prägt die Wirtschaft

Das Menschliche Verhalten prägt die Wirtschaft. Es folgen Beobachtungen auf die mich ein Twitter User mit dem Pseudonym @Ektrit aufmerksam gemacht hat und in der Volkswirtschaftslehre allzu oft ignoriert werden.

  • Die meisten Menschen arbeiten nicht gern!
  • Wenn sie also nicht arbeiten gehen müssen, um sich und ihre Familie mit dem was sie sich wünschen1 versorgen zu können, dann werden sie auch nicht arbeiten gehen!2 
  • Nur wenige Menschen haben die Neigung zur Überproduktion. Dieses sind die Unternehmer die freiwillig die benötigten Produktionsmittel zur Verfügung stellen und das damit einhergehende Risiko akzeptieren.
  • Output per Stunde ist die Messgröße die vorgibt wieviel innerhalb einer Volkswirtschaft verteilt werden kann!
  • Wo keine Überproduktion herrscht, dort kann am Ende auch nichts verteilt werden!
  • Habe ich als Unternehmer keinen Anreiz etwas zu produzieren, weil Financial Engineering attraktivere Renditen als die Produktion bietet und der Gewinn einer Überproduktion nicht sicher zu mehr als 2% realer Verzinsung angelegt werden kann, dann stelle ich die Produktion mit der Zeit ein! Das geschieht weil der Aufwand irgendwann in keinem vertretbaren Verhältnis mehr zum Ertrag steht. Zusätzlich kann dennoch durch Financial Engineering ein positiver Cash Flow generiert werden aufgrund der Negative Interest Rate Policy.
  • Damit etwas produziert werden kann müssen zwei Dinge gleichzeitig existieren a) der Wille zur Arbeit und b) die Verfügbarkeit von Produktionsmitteln! Beides beruht auf Freiwilligkeit und kann nicht erzwungen werden.

Solang das alles durch Negative Interest Rate Policy sabotiert wird, solang wird sich die wirtschaftliche Lage nicht verbessern. Erst mit Beendigung der NIRP Manie wird auch die wirtschaftliche Aktivität zurückkehren können und damit die grassierende Arbeitslosigkeit Europas enden.

1vgl. dazu: Die Durchschnittliche Arbeitslosenhilfe in den USA beträgt 378,- USD pro Woche. Der Betrag wurde von der Bundesregierung nochmals um 600,- USD pro Woche aufgestockt. https://www.cnbc.com/2020/04/09/how-much-unemployment-will-i-get-that-depends-on-your-state.html

2https://www.wsj.com/articles/millions-are-unemployed-why-cant-companies-find-workers-11620302440

De-Coupling – Mehr als nur ein Buzzword

Das De-Coupling und damit das Ende der alten Form der Globalisierung schreitet voran. Es ist die Reaktion der westlichen Welt auf das destruktive Verhalten Chinas. Sei es ihr Drang jegliche Technologien stehlen zu wollen, Internationale Verträge zu ignorieren, ihre seit Jahren angewandte Grauzonen Taktiken, egal diese Liste ist außerordentlich lang. Diese Entwicklung nahm zwischen 2009 und 2012 ihren Anfang und hat sich seitdem Jahr für Jahr beschleunigt. Im Jahr 2014 hat Herr Harald Malmgren einen Aufsatz auf Second Line of Defense (SLDinfo.com) veröffentlicht mit dem viel sagenden Titel „The Return of Economic Nationalism: Shaping the Next Phase of “Globalization” À la Carte“1. In diesem Aufsatz geht er auf die Probleme ein, mit denen sich die Entwickelten und Entwickelnden Staaten dieser Welt in folge der Großen Finanzkrise konfrontiert sehen und die daraus entstehenden Implikationen. Ein interessanter Twist ist hierbei, dass Hören Sagen zufolge der US Kongress und das Pentagon im Jahr 2014 das destruktive Verhalten der Kommunistischen Partei Chinas anerkannt und mit einem eigenen Plan zum teilweise Auftrennen der Lieferketten geantwortet haben.

Dieser Trend des De-Couplings wurde durch die Pandemie sehr stark beschleunigt, doch schon zuvor kam es immer wieder zu Unterbrechungen der Lieferketten. Die Lage ist infolge des „Tit for Tat“ zwischen den USA, Australien, Japan, Kanada, Indien und einigen Europäischen Ländern auf der einen Seite und China auf der anderen immer Volatiler geworden. Mittlerweile versucht die Kommunistische Partei Chinas den USA und ihren Alliierten aktiv Schaden zuzufügen. Dabei greift die Partei auf ihre Grauzonen Taktiken zurück, zu denen Cyberangriffe gehören, Politische Kriegsführung, wirtschaftliche Erpressungsversuche, absichtliche Behinderung der Schifffahrt im Südchinesischen Meer aber auch der Versuch sich Territorien von Nachbarstaaten einzuverleiben.

Vielen Staaten und Unternehmen ist die delikate Lage in der sie sich befinden bewusst. Einige westliche Staaten haben ihre Wirtschaft und die damit verbunden Lieferketten so eng mit China verwoben, dass sie die Causa am liebsten ignorieren würden. Doch ist zu vermuten, dass die öffentlich gezeigte Zurückhaltung und stellenweise Ignoranz ein Teil des Theaters darstellt, um so Zeit zu gewinnen, damit die Lieferketten, ohne komplett im Chaos zu versinken, neu geordnet werden können. Das sich an dieser Stelle etwas bewegt darauf deuten einige Entwicklungen hin.

  • Die Demokratische Republick Kongo wie auch Angola scheinen den Einfluss der Kommunistischen Partei Chinas zurück drängen zu wollen.2 3
  • Australien, Indien und Japan arbeiten an der Umgestaltung ihrer Lieferketten.4
  • In Indonesien scheint es so als wäre ein Rohstoffinvestment der Kommunistischen Partei Chinas gescheitert. 5
  • Auch in Deutschland geschieht offensichtlich etwas bei der Rückholung der Lieferketten, ohne dass es an die Große Glocke gehangen wird.6
  • Wie Janes berichtet ist auch Airbus seit längerem dabei dabei die Produktion China frei zu gestalten. The image released on 14 June shows the main fuselage of an H175 partway through assembly at a facility in France that has been built “entirely free of any elements sourced from China”, according to Airbus The company went on to note that this has been achieved “as the result of a project that has been underway for the past five years capitalising on European aerostructures capability” 7 Das Airbus schon vor 5 Jahren mit der Umgestaltung begonnen hat bestätigt das Gerücht das der Plan des De-Couplings / Globalisierung a la Carte schon seit längerem verfolgt wird.
  • Das Thema Chips wird nicht nur in Deutschland angegangen, sondern auch Japan und die USA sind an neuen Werken interessiert und umwerben dafür unter anderem TSMC.8 9
  • Zusätzlich zu den bisher aufgezählten Entwicklungen mehren sich die Rückschläge für Beijing bei ihrem Versuch eine eigene Einflusssphäre zu erschaffen. Telefonica Espana lässt Huawei fallen und setzt zukünftig auf Nokia und Eriksson10. Italien schwenkt von der Belt and Road Initiative ab, was die Handlungsoptionen der KP im Mittelmeerraum einschränken wird und die dort von ihnen getätigten Investitionen entwertet. Darüber hinaus scheint auch Saudi-Arabien den Wink des Hegemons verstanden zu haben und lässt die Investitionen Beijings in den Pakistanischen Hafen Gwadar stranden. Sie werden in Karachi investieren11, was den Wert der bisher getätigten chinesischen Investitionen mindert und die Erfolgsaussichten für den China Pakistan Economic Corridor verringert.

Die hier getätigte Auflistung ist nicht komplett doch gibt sie eine gute Übersicht darüber wie sich die Lage entwickelt. Kurzum der Hegemon ordnet die Anglosphäre und die mit dieser assoziierten Staaten neu an, um so den kommenden Herausforderungen besser gewachsen zu sein. Dieser Prozess wird viel Zeit in Anspruch nehmen, sodass man davon ausgehen kann, dass sich die Neuordnung wahrscheinlich auf mehr als 15 Jahre erstrecken wird und dabei stellenweise sehr volatil verlaufen wird.

1Harald Malmgren; Second Line of Defense; 2014: https://sldinfo.com/2014/12/the-return-of-economic-nationalism-shaping-the-next-phase-of-globalization-a-la-carte/

2Angola: João Lourenço puts his stamp on Luanda’s diplomacy (theafricareport.com)

3DR Congo’s president says he will renegotiate mining contracts – The Citizen

4Australia, Japan, India set up supply chain group (argusmedia.com)

5China, Indonesia $2.5 billion copper deal falls apart – Asia Times

6Bosch: https://www.bosch.de/unser-unternehmen/bosch-in-deutschland/dresden/

7Janes.com: https://www.janes.com/defence-news/news-detail/airbus-goes-on-offensive-over-too-chinese-h175-offering-for-uk

8Taiwan’s TSMC to set up US$186 million R&D center in Japan: https://www.taiwannews.com.tw/en/news/4124664

9Chipmaker TSMC eyeing expansion of planned Arizona plant -sources: https://www.reuters.com/technology/chipmaker-tsmc-eyeing-expansion-planned-arizona-plant-sources-2021-05-04/#:~:text=TSMC%2C%20the%20world’s%20largest%20contract,supply%20chains%20back%20from%20China.

10Telefonica Espana to ditch Huawei in favour of Ericsson and Nokia, report says (commsupdate.com)

11Trending news: Saudi Arabia gives a blow to China in Pakistan, will not build oil refinery in Gwadar – Hindustan News Hub

Nahrungsmittelpreise: Viele Gründe führen zur Preissteigerung

Seit 2020 ziehen die Nahrungsmittelpreise Weltweit an. Der Französische Maispreis hat seit Januar 2020 um 48% angezogen, der Rapspreis in Frankreich zog dagegen um 27% an. In den USA steigerte sich der Maispreis seit Januar 2020 um 82%, Magerschwein 60%, Sojabohnen 61% und Weizen 33%. Dieses ist kein vollständiger Überblick über die gehandelten Rohstoffe, doch man erhält ein Gefühl dafür, was aktuell auf den Märkten los ist. Das anziehen der Nahrungsmittelpreise hat mannigfaltige Gründe.

Es folgt eine kurze Zusammenfassung von Ereignissen, die unteranderem zur aktuellen Preissteigerung beitragen:

Die Ernteausfälle in China, wetterbedingte Kalamitäten in anderen Erzeugerländern und die steigende Nachfrage ließen in den vergangenen Jahren beim Mais ein Defizit zwischen Angebots- und Nachfrageseite entstehen.

Darüber hinaus nehmen die Ernteerträge beim Wintergetreide ab, was das zur Verfügung stehende Angebot weiter verknappt. Die Abnahme der Ernteerträge beim Wintergetreide hängt wahrscheinlich mit dem Klimawandel zusammen.

Die oben aufgeführten Ereignisse sind es, die die Nahrungsmittelpreise ansteigen lassen. Es sind nicht die gierigen Spekulanten, sondern reale Engpässe und eine fehlgeleitete Geldpolitik, die zu der preistreibenden Knappheit führen. Ob diese Preissteigerungen nur vorübergehender Natur sind, wie von den Notenbanken betont, ist ungewiss. Im Allgemeinen ist der Preis den am Ende der Konsument zu zahlen hat nach oben hin relativ elastisch, während der Preis auf der Unterseite unelastisch ist. Ein Verhalten welches an der Börse nicht widergespiegelt wird. Dort schwanken die Rohstoffpreise oft von einem in das andere Extrem, ohne dass der Konsument davon überhaupt etwas mitbekommt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Tatsache, dass In den vergangenen Jahren, nach der letzten Rohstoff Hausse, die Preise für Landwirtschaftliche Erzeugnisse am Boden lagen. Jedoch konnte der Konsument an der Ladentheke nicht davon profitieren, denn dort stiegen die Preise weiter an.

Insgesamt wirken die Engpässe, ausgelöst durch die weltweite Reaktion auf die Pandemie, in Verbindung mit den Maßnahmen der Regierungen und Notenbanken, die seit der Großen Finanzkrise ergriffen wurden plus die Wetterbedingten Ernteausfälle zusammen und lassen die Preise in vielen Bereichen ansteigen.

Mögliche Gewinner der Landwirtschaftsbranche hatte ich schon im vergangenen Jahr im Blogbeitrag „Gegessen wird immer“ vorgestellt.

PS.: Steigende Nahrungsmittelpreise stehen in direktem Zusammenhang mit politischer Instabilität. Damit kann mit steigender politischer Instabilität in ärmeren Regionen gerechnet werden. Aber auch gut entwickelte Staaten können Gesellschaftliche Unruhe erfahren, wenn die Nahrungsmittelpreise zu stark ansteigen.

FAO World Food Situation, Food Price Index