Der Treuhänder

Was ich von ETF´s halte

Am zurückliegenden Wochenende wurde ich von einem Freund gefragt was ich denn von Exchange Traded Funds halten würde. Er erklärte mir wonach er suche. Dabei fiel mir auf, dass es sich anhörte, wie die typischen Marketing Narrative, die sich um das Thema Indexierung & ETF´s drehen.

Grundsätzlich gilt bei allen Dingen: Nichts ist umsonst, alles kostet!

Vorteile der ETF´s liegen bei

  • den geringen Verwaltungskosten
  • der einfachen Umsetzung einer Anlage Idee
  • der offensichtlich einfachen und schnellen Handelbarkeit

Hier Enden jedoch die Vorteile.

Die Nachteile sind mannigfaltiger Natur und ich bin mir nicht sicher ob ich hier alle erfassen kann und will. Es wird besser sein sich auf die wichtigsten Kritikpunkte zu beschränken.

Wette auf den Preis ohne Qualität

Ein Kritikpunkt ist, dass man hier nur auf die Preisveränderung eines Index setzt. Man wettet einfach nur auf den Preis, ohne dass man die Qualität der Index Komponenten prüft.

Ein passendes Beispiel ist z.B. ein Dividenden ETF eines bekannten Anbieters. Dieser bezieht sich auf den EURO STOXX Select Dividend 30 Index. Er verfügt aktuell über eine Ausschüttungsrendite von 4,62% und erscheint damit recht attraktiv. Doch schaut man einmal genauer in diesen Exchange Traded Funds hinein, so erkennt man,

  • dass es sich um eine verkappte Wette auf den europäischen Finanzsektor handelt. Dieser macht in dem Fonds ca. 45% aus. Das ist nicht gut, denn dieser Sektor hat enorme Probleme, welche auch mittelfristig nicht verschwinden werden. Die verdeckte Konzentration auf einen Sektor ist bei den meisten Indizes und damit den ETF´s ist nicht unüblich (z.B. S&P 500 ETF: Apple, Amazon, Alphabet, Facebook und Microsoft allein machen ca. 17,31% des Index aus; etwas worauf man auch bei aktiv gemanagten Fonds achten muss).

Und noch einmal zurück zu dem Punkt, dass man nur auf den Preis wettet. ETF´s werden gehandelt! Das bedeutet, dass sich der Preis des ETF´s stellenweise von dem Net Asset Value (NAV) unterscheidet. Es kann zu einer Discount oder Premium Situation kommen, sodass der Preis des ETF´s unter oder über dem NAV notiert. Etwas, was sogar zu stark ausgeprägten Extremen führen kann, wie es im August 2015 zu beobachten war. Rein von dem Verhalten eines ETF´s und seinem Eigenleben kann man behaupten, dass es sich um ein Derivat handelt. Zum kurzfristigen Spekulieren geeignet, doch langfristig wird es bessere Lösungen geben.

Als Investor / Teilhaber ist man nicht am Preis interessiert, sondern am Erfolg einer Unternehmung. Dazu schrieb Joseph de la Vega 1688:

Die Finanzbarone und Großkapitalisten genießen jedes Jahr die Dividende der Aktien, die sie ererbt oder mit ihrem eigenen Gelde gekauft haben, auf den Kurs der Aktien kommt es ihnen nicht an und da ihre Absicht nicht auf den Verkauf, sondern auf das Einkommen aus den Erträgnissen gerichtet ist, so bildet der höhere Wert der Aktien nur einen imaginären Genuss, indem sie überlegen, wie es in Wirklichkeit ist, dass sie bei einem Verkauf der Effekten, sie einen hohen Preis erhalten können.

Joseph de la Vega: Die Verwirrung der Verwirrungen (S.33)

Ist man jedoch im Bereich der ETF´s engagiert, so spekuliert man auf den Verkauf seines Eigentums zu einem höheren Preis. Und auf diesem Weg ist man nur ein Teilnehmer an der Momentum Spekulation und kein Investor / Teilhaber.

Allokationsblasen & Illiquidität

Es ist ein über die Zeit gewachsener Super Trend hin zur Indexierung, welcher auf falschen Annahmen beruht. Es entstehen Allokationsblasen, welche nur durch das Momentum getrieben, nicht durch die zugrundeliegenden Fundamentalen Daten gedeckt sind. Jede Aktie, Anleihe, Rohstoff, etc., gleich welcher Qualität wird gekauft, solang sie in dem abzubildenden Index enthalten sind. Dadurch entstehen Übertreibungen. Übertreibungen welche sich nicht nur in starken Kurssteigerungen manifestieren, sondern sollte sich das Blatt wenden und eine Baisse aufziehen, auch Richtung Süden wirken werden.

Ein weiterer Punkt den man nicht vergessen darf sind die Fixed Income Indizes und den sie abbildenden ETF´s. Hier wird eine Liquidität, also Handelbarkeit vorgegaukelt, welche so nicht durch die Bestandteile des Fonds gedeckt ist. Kommt es in diesem Bereich zu einem unerwarteten Ereignis, so kann auch die Handelbarkeit des ETF´s am Ende beeinträchtigt sein. Insbesondere wenn es sich um High Yield Produkte handelt.

Fazit

Am Ende muss man sich fragen ob man wirklich Teil des Momentumsspiels sein will.

In meinen Augen ist es nichts weiter als ein Marketing Gag der KVG´s, welche nicht das beste für den Anleger wollen, sondern ihren eigenen Gewinn vor Augen haben. Gleichschaltung der Anleger ist hierbei ein Nebeneffekt, der langfristig hohe Kosten verursachen wird.

An der Börse ist es klug, wenn man nicht am gewöhnlichen „Wahnsinn“ der Massen teilnimmt, sondern seinen eigenen Weg geht.

Sollte man sich am Ende nicht zutrauen selber Aktien auszuwählen, kann der Gang über einen aktiv gemangten Fonds der richtige sein. Auch bei diesen sind in den vergangenen Jahren die Verwaltungskosten gesunken.

Zur Suche kann man auf die Seiten von Morningstar zurückgreifen, welche nicht nur im Fondsbereich eine gute Übersicht bieten, sondern auch bei den Aktien.

Zum Thema Aktien hatte ich schon zuvor zwei Dinge festgehalten, die ich als Teilhaber bei einer Unternehmung nicht sehen will.

Was ich als Aktionär nicht sehen will – Teil 1

Was ich als Aktionär nicht sehen will – Teil 2

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