Der Treuhänder

Das Problem mit ETF´s

Das Debakel um $GME zeigt bei den sehr beliebten Exchange Traded Products ein Problem auf, dass nur ganz wenige auf dem Schirm haben. Die Gewichtung einzelner Aktien innerhalb eines Index ist oft mit der Marktkapitalisierung dieser Aktie verbunden. Wenn also die Marktkapitalisierung einer Aktie ansteigt, aus was für Gründen auch immer, dann steigt auch der Anteil dieser Aktie im Index, ihre Gewichtung verändert sich. Das bedeutet, dass Exchange Traded Products, zu denen auch ETF´s gehören, gezwungen sind die Aktien entsprechend neu zu gewichten und dann dementsprechend zu kaufen oder zu verkaufen. Im Endeffekt kann so Faules Obst in den Depots der Retail Kunden, die mittels ETPs anlegen, entsorgt werden, ohne dass es ihnen bewusst ist.

Wo gekauft wird, dort gibt es natürlicherweise auch Verkäufer. Stürzt nun so eine Aktie wie $GME wieder ab, so sind auch die ETPs gezwungen diese zu verkaufen. Doch damit sie verkaufen können muss es natürlich auch einen Käufer geben. There will be no Offer in the Bid. Das Orderbuch wird in diesem Moment leer sein, denn wer will wirklich Pleitekandidaten zu den im Moment angeschlagenen Preisen kaufen?

Aber auch die Volatilität der Indizes nimmt zu und damit der ETPs, was wiederum zu neuen Risikogewichtungen bei den Clearinghäusern führt, wie im vorherigen Artikel beschrieben.

Robinhood, Broker & Clearing-Prozesse, der etwas andere Margin Call

Gestern Nachmittag habe ich in einem Chat vereinfacht aufgezeigt wie der Clearing Prozess abläuft. Man mag zwar jetzt denken gähn wie langweilig, doch ist es der Schlüssel zu dem was aktuell in einigen Wertpapieren abläuft. Gute Trades basieren auf einigen Faktoren: a) Kenne das Regulatorische Umfeld genau und die damit verbundenen Prozesse. b) Finde sehr gute Anwälte, die die Lücken ausmachen und c) Trader die den Mumm und das Können haben diese Lücken auszunutzen.

Chat Start:

Sell Sell Short …. was passiert?

1. ist man nen Hedge Funds dann pingt man seinen Prime Broker an und warnt ihn vor das man etwas verkaufen will was man nicht hat 
2. dieser laeuft los und sucht zuerst in House nach nicht verliehenen Aktien … also sauberen Titeln … oft muss er aber auf dritte zurueckgreifen also andere Broker 
3. er hat nu aktien gefunden die sauber sind und kann diese wenn gewollt verleihen 
4. HF sagt jo aber natuerlich will ich leer verkaufen … leiht sich die aktien und verkauft diese sofort wieder an vierte Partei … er erhaelt damit geld und schuldet aktien, … muss den Prime Broker bezahlen damit dieser wiederum seine Kunden bezahlen kann wegen der leihe

willkommen bei Sell Sell Short

jetzt kommen wir kurz zur vorstellung von zwei unternehmen die außergewöhnlich wichtig sind … DTCC und OCC … 
https://www.dtcc.com/ 
https://www.theocc.com/ 

hier laufen die faeden zusammen … sie sind die clearing haeuser …

noch ein Ding das man wissen muss USA Hypothekierung Rehypothekierung 140% erlaubt, London theoretisch unbegrenzt praktisch 400%wie oft etwas verliehen werden darf

was fiel auf … nicht nur RH Kunden wurden die Positionen liquidiert … sondern auch den HF und damit den Prime Brokern zuvor …

so noch eine kleine vor information … 

Margin Accounts = du besitzt nichts und wirst gluecklich sein … ohne schmuh man besitzt dabei nichts außer ein verpsrechen von seinem broker, keine eigentumsrechte … wichtiger Punkt den man sich merken muss

ein Kunde von einem Broker wie Robinhood kauft eine Aktie, nennen wir sie mal $GME … was passiert im Backoffice?
da der kaeufer nicht den verkaeufer kennt muss ein dritte Partei diese zusammenfuehren … das ist DTCC oder OCC … 
Aufgabe zusammenfuehrung und abrechnung der Transaktionen … 
Valuta ist T+2 so wie bei uns … 
dem Kaeufer und Verkaeufer wird die Transaktion sofort angezeigt … da aber Valuta T+2 ist entsteht hier ein Risiko da Leihgeschaefte getaetigt werden … Counter Party Credit Risk 
DTCC und OCC stellen ihre eigenen Bilanzen zur verfügung um das settlement sicherzustellen

DTCC ist ein Zentrallager für Aktien und Bürge dieser … OCC gleiche in gruen fuer optionen

DTCC haelt im gegensatz zu ihren Kunden (Prime Broker und Broker) die Aktien „physisch“

da mittlerweile viele oder auch die meisten accounts margin acc sind => die broker halten die rechte an den Wertpapieren fuer ihre kunden in ihrem eigenen namen

so nu kaufen wa 
1. kauf
2. Am Ende des Tages rechnet der Broker die Transaktionen auf und muss DTCC entweder geld zahlen oder er bekommt welches … 
3. wenn der Broker z.B. RH der DTCC am ende des tages geld schuldet so leihen sie sich dieses auf dem interbanken markt … und senden es dann der DTCC
4. die DTCC verteilt dieses Geld dann an die angeschlossenen Broker
5. die formale abrechnung und damit das settlement ist aber T+2das bedeutet hier sind mehrere RisikenKreditrisiken

1. Broker vs DTCC von der Zeit des Auftrags des Kunden bis Ausgleich zum Ende des Handelstages
2. DTCC vs DTCC in der Zeitspanne die zwischen dem Geld verteilen und dem formalen Settlement
3. Selling Broker vs Selling Client 
SB gibt SC schon Geld ohne es schon bekommen zu haben
4. DTCC vs Selling Broker 
DTCC schuldet SB EoD Geld
5. Broker Client vs Broker Client 
Broker besitzt aktie im margin account nicht der client, er reicht nur einige besitzrechte weiter aber nicht das eigentum 
hier kommen wir zur Wertpapierleihe und der Hypothekierung

Sell Sell Short … dafuer muessen sich aktien geliehen werden … die leihgebuehr von illiquiden buden wie GME betraegt schnell zwischen 50 – 100% im jahr

so der retail kunde mit margin account besitzt nichts der broker verleiht die aktien an einen Prime Broker wie oben beschrieben … der broker bekommt geld alles schoen … der PB verleiht an HF dieser verkauft 

jetzt besitzen gleichzeitig zwei unterschiedliche broker kunden die gleiche aktie

tipp, derjenige der am ende gekauft hat, mit einem cash account … schlaegt den ersten kunden mit margin konto wenn es um eigentumsfragen geht

Broker bekommt geld von Prime Broker, PB bekommt von HF … DTCC protokolliert die kette der eigentumsrechtedie Hauptsorge von DTCC ist, dass in dieser Kette ein Glied scheitert …

wenn das passiert wird es schnell zum problem vom kunden dessen aktien verliehen wurden und zum problem von DTCC

DTCC bewertet das risiko von margin accounts anders als das von Cash Accounts … Risikogewichtung Art der Gegenpartei und Art des Wertpapieres + Volatilität von diesem

die Broker  Perspektive auf das Risiko welches zwar die retail kunden aufhaeufen aber das eigene Buch ausmacht … er schließt die positionen wenn risikogrenzen gerissen werden … es ist sein eigentum nicht das der kunden …

DTCC verlangt wiederum von seinen kunden also den Brokern das sie eine sicherheit hinterlegen, akzeptiert werden cash und treasuries … damit stellen sie sicher, dass sie nicht auf dem risiko sitzen bleiben

steigt also das Risiko so steigt auch die geforderte sicherheitsleistung von DTCC gegenüber den Brokern

gehen nu Kunden … Retail, Funds, Hedgefunds, HFT mehr und mehr in eine gruppe wertpapiere sodass am ende fast die gesamte crew auf ein und der gleichen seite sitzt … so steigt die geforderte sicherheitsleistung der DTCC exponentiell an … theoretisch gleicht sich das risiko inhouse aus …kann der Broker nicht mehr sicherheit leisten so bekommt dieser als ganzes einen margin call

dann kann er a) mehr sicherheit leisten siehe Citadel & Co. mit melvin b) sie koennen die kunden positionen liquidieren (retail, funds und co) oder c) sie versuchen das risiko zu mitigieren, sollte die bilanz noch platz haben … also sie kaufen die Aktie, Aktien Futures oder Optionen …

so zum Optionsmarkt … wenn Optionen gekauft werden dann muessen sie von wem anders verkauft werden … der kauf kann muss aber nicht auf margin, während der verkauf immer ein margin geschaeft ist …und der optionsmarkt ist in den besagten wertpapieren regelrecht explodiert …

es ist eine sich selbstverstaerkende schleife bei denen via einem Botnetzwerk auf Reddit gepushed wurde (90% der aktivitaet dort ist auf bots zurueckzufuehren)

einiges anderes dort ist Agent Provocateur ..

am ende hat Citadel durch frontrunning, sie kontrollieren den orderfluss … https://trading-treff.de/wissen/ist-der-flash-crash-moeglich … und profitieren von diesem wissen, einen riesigen gewinn davon getragen aufgrund des riesigen Handelsvolumen …

hier sind welche gezwungen durch risiko regulierung nonsense zu jeglichen preisen kaufen zu müssen und bluechips zu verkaufen, um ihr Risiko Exposure zu reduzieren …

die kleinen dazwischen … was einige sind … die freuen sich vielleicht jetzt noch doch sie besitzen nichts … sie haben vielleicht gewinne aufm papier … doch selbst das papier ist nur virtueller natur da margin account …kurzum … da hat im prinzip eine ganze branche mit wenigen ausnahmen einen margin call erhalten

was den cash bestand von margin konten angeht, … auch dieser ist nicht das eigentum des kunden … es ist ein pfandkonto …

hat wohl nie einer mit gerechnet das allesamt auf einer seite stehen …looool … Risikobewertungen butsch und tata wir haben das was passiert … rein technisch regulatorisch von Akteuren befeuert die mit einem sehr guten Wissen über die Prozesse und einem guten anwaltsteam ausgestattet sind …der trade ist insgesamt hammer

man kann etwas verkaufen was schrott ist aber dennoch akteure gezwungen sind kaufen zu müssen …
man weiß viele kunden haben margin acc. also alles im besitz des brokers, kunde nur glaeubiger 
margin call auf viele broker diese muessen alles moegliche verkaufen wie auch der ein oder andere hedgefunds 

hier kommen wir wieder zum 4ten mann der auf cash account die verliehene aktie gekauft hat, ihm gehoert se … 

guenstige einkaufstour auf steroiden und geiler verkaufstag fuer schon verfaultes obst …

zynisch … absolut … regulatorisch, wohl korrekt … rechtlich … das wird echt geil zu sehen ob RH und Co + Citadel den arsch aufgerissen bekommen oder nicht … ich tippe auf nein, dafuer aber die kleinen  

[…] aso ganz vergessen das oben beschriebene zum Thema $GME … wendet das mal auf die Allokationsblase ETF´s an  

  ….

Ende Chat.

Nachtrag: von der Hypothekierung, der Wertpapierleihe sind auch ETF´s betroffen. Intern, weil sie selber Aktien bzw. enthaltene Wertpapiere verleihen um die Kosten zu decken und Extern weil auch die ETF´s in einem Margin Account dem Broker gehören nicht dem Kunden bzw. in einem Cash Account der Wertpapierleihe unterliegen können. In den AGBs steht es, ob Wertpapiere des Kunden zur Wertpapierleihe zur Verfügung stehen oder nicht. Je günstiger ein Broker, je höher ist die Wahrscheinlichkeit das Wertpapierleihe getätigt wird.

Was ich von ETF´s halte

Am zurückliegenden Wochenende wurde ich von einem Freund gefragt was ich denn von Exchange Traded Funds halten würde. Er erklärte mir wonach er suche. Dabei fiel mir auf, dass es sich anhörte, wie die typischen Marketing Narrative, die sich um das Thema Indexierung & ETF´s drehen.

Grundsätzlich gilt bei allen Dingen: Nichts ist umsonst, alles kostet!

Vorteile der ETF´s liegen bei

  • den geringen Verwaltungskosten
  • der einfachen Umsetzung einer Anlage Idee
  • der offensichtlich einfachen und schnellen Handelbarkeit

Hier Enden jedoch die Vorteile.

Die Nachteile sind mannigfaltiger Natur und ich bin mir nicht sicher ob ich hier alle erfassen kann und will. Es wird besser sein sich auf die wichtigsten Kritikpunkte zu beschränken.

Wette auf den Preis ohne Qualität

Ein Kritikpunkt ist, dass man hier nur auf die Preisveränderung eines Index setzt. Man wettet einfach nur auf den Preis, ohne dass man die Qualität der Index Komponenten prüft.

Ein passendes Beispiel ist z.B. ein Dividenden ETF eines bekannten Anbieters. Dieser bezieht sich auf den EURO STOXX Select Dividend 30 Index. Er verfügt aktuell über eine Ausschüttungsrendite von 4,62% und erscheint damit recht attraktiv. Doch schaut man einmal genauer in diesen Exchange Traded Funds hinein, so erkennt man,

  • dass es sich um eine verkappte Wette auf den europäischen Finanzsektor handelt. Dieser macht in dem Fonds ca. 45% aus. Das ist nicht gut, denn dieser Sektor hat enorme Probleme, welche auch mittelfristig nicht verschwinden werden. Die verdeckte Konzentration auf einen Sektor ist bei den meisten Indizes und damit den ETF´s ist nicht unüblich (z.B. S&P 500 ETF: Apple, Amazon, Alphabet, Facebook und Microsoft allein machen ca. 17,31% des Index aus; etwas worauf man auch bei aktiv gemanagten Fonds achten muss).

Und noch einmal zurück zu dem Punkt, dass man nur auf den Preis wettet. ETF´s werden gehandelt! Das bedeutet, dass sich der Preis des ETF´s stellenweise von dem Net Asset Value (NAV) unterscheidet. Es kann zu einer Discount oder Premium Situation kommen, sodass der Preis des ETF´s unter oder über dem NAV notiert. Etwas, was sogar zu stark ausgeprägten Extremen führen kann, wie es im August 2015 zu beobachten war. Rein von dem Verhalten eines ETF´s und seinem Eigenleben kann man behaupten, dass es sich um ein Derivat handelt. Zum kurzfristigen Spekulieren geeignet, doch langfristig wird es bessere Lösungen geben.

Als Investor / Teilhaber ist man nicht am Preis interessiert, sondern am Erfolg einer Unternehmung. Dazu schrieb Joseph de la Vega 1688:

Die Finanzbarone und Großkapitalisten genießen jedes Jahr die Dividende der Aktien, die sie ererbt oder mit ihrem eigenen Gelde gekauft haben, auf den Kurs der Aktien kommt es ihnen nicht an und da ihre Absicht nicht auf den Verkauf, sondern auf das Einkommen aus den Erträgnissen gerichtet ist, so bildet der höhere Wert der Aktien nur einen imaginären Genuss, indem sie überlegen, wie es in Wirklichkeit ist, dass sie bei einem Verkauf der Effekten, sie einen hohen Preis erhalten können.

Joseph de la Vega: Die Verwirrung der Verwirrungen (S.33)

Ist man jedoch im Bereich der ETF´s engagiert, so spekuliert man auf den Verkauf seines Eigentums zu einem höheren Preis. Und auf diesem Weg ist man nur ein Teilnehmer an der Momentum Spekulation und kein Investor / Teilhaber.

Allokationsblasen & Illiquidität

Es ist ein über die Zeit gewachsener Super Trend hin zur Indexierung, welcher auf falschen Annahmen beruht. Es entstehen Allokationsblasen, welche nur durch das Momentum getrieben, nicht durch die zugrundeliegenden Fundamentalen Daten gedeckt sind. Jede Aktie, Anleihe, Rohstoff, etc., gleich welcher Qualität wird gekauft, solang sie in dem abzubildenden Index enthalten sind. Dadurch entstehen Übertreibungen. Übertreibungen welche sich nicht nur in starken Kurssteigerungen manifestieren, sondern sollte sich das Blatt wenden und eine Baisse aufziehen, auch Richtung Süden wirken werden.

Ein weiterer Punkt den man nicht vergessen darf sind die Fixed Income Indizes und den sie abbildenden ETF´s. Hier wird eine Liquidität, also Handelbarkeit vorgegaukelt, welche so nicht durch die Bestandteile des Fonds gedeckt ist. Kommt es in diesem Bereich zu einem unerwarteten Ereignis, so kann auch die Handelbarkeit des ETF´s am Ende beeinträchtigt sein. Insbesondere wenn es sich um High Yield Produkte handelt.

Fazit

Am Ende muss man sich fragen ob man wirklich Teil des Momentumsspiels sein will.

In meinen Augen ist es nichts weiter als ein Marketing Gag der KVG´s, welche nicht das beste für den Anleger wollen, sondern ihren eigenen Gewinn vor Augen haben. Gleichschaltung der Anleger ist hierbei ein Nebeneffekt, der langfristig hohe Kosten verursachen wird.

An der Börse ist es klug, wenn man nicht am gewöhnlichen „Wahnsinn“ der Massen teilnimmt, sondern seinen eigenen Weg geht.

Sollte man sich am Ende nicht zutrauen selber Aktien auszuwählen, kann der Gang über einen aktiv gemangten Fonds der richtige sein. Auch bei diesen sind in den vergangenen Jahren die Verwaltungskosten gesunken.

Zur Suche kann man auf die Seiten von Morningstar zurückgreifen, welche nicht nur im Fondsbereich eine gute Übersicht bieten, sondern auch bei den Aktien.

Zum Thema Aktien hatte ich schon zuvor zwei Dinge festgehalten, die ich als Teilhaber bei einer Unternehmung nicht sehen will.

Was ich als Aktionär nicht sehen will – Teil 1

Was ich als Aktionär nicht sehen will – Teil 2