Der Treuhänder

Plus Ultra, ein nicht endendes Spiel des Pans

Was wir sehen ist eine erschreckende Tragödie. Ein Alptraum der sich immer weiter entfaltet. Kein Castor oder Pollux als Retter in Sicht. Kein erwachen aus diesem Alptraum möglich. Wer störte Pan in seiner Mittagspause, so dass er mit uns Bürgern gnadenlos sein Spiel der Panik treibt? Was verbindet diese ganzen Tragödien, derer wir Zeuge werden. Die Handlungsfähigkeit unserer Staaten scheinen ausgehöhlt worden zu sein und sie können oder wollen anscheinend nicht mehr ihre Funktionen wahrnehmen.

Fing diese Entwicklung etwa mit der Großen Finanzkrise an? Experten sollten es damals lösen und kamen mit Mitteln wie der Zero Interest Rate Policy, Negative Interest Rate Policy und dem Quantitative Easing an. Lösungen, welche offensichtlich nicht gegriffen haben und die bestehenden Probleme wie Vermögensungleichgewicht, Monopolisierung und Co nur weiter vortrieb geleistet haben. Die Großkonzerne waren und sind die größten „Profiteure“ der damals eingeschlagenen Politik. Obwohl die negativen Auswirkungen dieser Politik seit vielen Jahren mehr als nur offensichtlich sind, wird behauptet, dass wir nur noch ein wenig mehr ZIRP, NIRP und QE durchführen müssten und das Problem wäre endgültig gelöst. Hier zeigte sich vielleicht zum ersten Mal das Dilemma in dem wir uns befinden. Vermeintliche Experten, hinter denen sich Entscheidungsschwache Politiker verstecken, um selbst keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Abwägen, das Pro und Contra jenseits der eigenen politischen Karriere betrachten? Nein, leider ließ sich seit der Großen Finanzkrise nur beobachten wie sich diese von uns gewählten Politiker hinter Plattitüden und vermeintlichen Experten verstecken, ein Theater aufführen und glauben, dass durch die richtigen PR Maßnahmen sie ein Problem lösen oder wegwünschen können.

Vielleicht liegt hier einer der Grundsteine des jetzt zu beobachtenden Versagens. Oder fing es schon mit dem Beginn der endlosen Kriege in Afghanistan und Co an, bei denen beobachtet werden konnte wie die eingeschlagenen Wege und Maßnahmen nicht zum Erfolg geführt haben. Ziele definiert durch Traumtänzerei und Ignoranz der Politik führten hier wahrscheinlich zum beständigen Scheitern. Eine neutrale Ergebnisoffene Evaluierung der durchgeführten Maßnahmen fand in der Politik offensichtlich nicht statt. Ein Muster dass sich wahrscheinlich durch alle Parteien, in allen Politikfeldern der westlichen Welt hindurch beobachten lässt. Traumtänzerei und Ignoranz gepaart mit einer „starken Haltung“. Das Theater als Ersatz der Handlung?

Anscheinend ist es mehr als nur akzeptabel geworden Versagen zu belohnen und sogar zu fördern, solang die Theater Performance passt. Ob es Waldbrände in den USA sind, die aufgrund mangelhafter Vorkehrungen zu riesigen Feuern heranwachsen, die langsame Auslieferung der Impfdosen in Australien oder zuletzt das Hochwasser Desaster in Deutschland. Die Verantwortlichen sind sich jedenfalls um einer Ausrede nie verlegen. Kann es sein dass hier das Übel darin liegt, dass der Staat durch zynische Politiker seiner Fähigkeiten unter dem Deckmantel der Kostenersparnis, Effizienz und anderer Scheinargumente aktiv beraubt wird? Der Grundsatz „Man kann ja viel Planung und Ausführung durch Beratungsunternehmen ersetzen“ ist anscheinend sehr weit verbreitet. Wenn jedoch z.B. nicht die totale Demobilisierung der Bundeswehr das Ziel der vergangenen Jahre war, dann kann man vermuten, dass dieser Ansatz zum Scheitern verurteilt ist. Ist es also die Ursache darin zu finden, dass die Illusion mittlerweile als Erfolgsausweis ausreicht und nicht mehr das harte fassbare Ergebnis? Potemkinsche Dörfer als Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit, als Ersatz für ansonsten unangenehme Antworten?

Auch der Umgang mit der Pandemie offenbarte mehr als nur Schwächen im Zivilschutz. Leider konnte auch hier beobachtet werden wie sofort der PR Reflex aller die Oberhand gewann und von Anfang an wirklich Alles restlos Politisiert wurde. Interesse an Lösungen und einem rationalen Umgang machten einer andauernden Emotionspornographie platz. Durch die Politisierung, der angewandten PR Methodiken und offensichtlichen finanziellen Einzelinteressen kam es zu diesem Chaos, welchem wir aktuell beiwohnen dürfen. Ein Chaos welche feindlich gesinnte Staaten ausnutzen und auf allen Seiten die Verschwörungstheorien, Zwiespalt und Hass durch geschickte Propaganda befeuern.

Vielleicht ist es auch die allgemein immer mehr um sich greifende Unwissenheit / Unbildung die zu diesen Entwicklungen führen. Breites Allgemeinwissen ist anscheinend nicht mehr gefragt. Die ausschließliche Konzentration auf einen schmalen Bereich führt zu einer gewissen Blindheit. Einer Blindheit gegenüber den Folgen einer Handlung auf das Große Ganze. Komplexe Systeme sind nicht vollkommen Beherrschbar und ihre Grenzen sind selten bekannt. Doch das Eingeständnis etwas nicht zu wissen, dass ist vielen verloren gegangen. Arroganz, Ignoranz und eine starke Haltung, die einem von der Wirklichkeit abschirmen, wurden zu einer allgemein anerkannten Tugend. Wer benötigt schon Fakten, wenn er doch über eine Haltung verfügt. Ist es doch sehr angenehm wenn man sich nicht mit Detailfragen auseinandersetzen muss, sondern eine kindliche Naivität ausreicht, um für Alles Endlösungen parat zu haben. Ist es die falsche Selbstsicherheit die Zukunft genau zu kennen gepaart mit einer Kontrollillusion? Oder ist es der empfundene Zwang der Verantwortlichen zu behaupten die Zukunft genau zu kennen und alle Lösungen zu wissen in der Hoffnung Kompetent zu wirken? Vielleicht ist es erneut en vogue, wenn zukünftige dramatische Ereignisse prophezeit werden, die nur eine Bewegung / eine Gruppe mit ihrer angestrebten Politik verhindern kann aber durch eine dann nach der Machtübernahme stattfindenden zynischen Politik selbst gezielt herbeiführt, um so die eigene Prophezeiung wahr werden zu lassen? Es klingt absurd, doch hatte nicht Hannah Ahrendt ein solches Verhalten bei den Totalitären Staaten ihrer Zeit beobachtet?

Die Realität ist unwahrscheinlich und genau das ist das Problem. Die perfekte Information, die von sogenannten Experten immer wieder vorgegaukelt wird, gibt es nicht. Es würde ja bedeuten, dass einem alle Informationen / Daten der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bekannt wären, wie auch jegliche Ursachen für die Interaktion der Bestandteile eines Komplexen Systems und deren Zusammenhänge verstanden würden. Leider wird zu oft eine Allwissenheit vorgespielt, welche geschickt mit Intransparenten Modellen untermauert wird. Das ist keine Wissenschaft, dass ist Aberglaube.

Abweichende Meinungen, früher gehört, vielleicht anerkannt, sehr oft aber toleriert, jedoch wenn nötig in der Argumentation widerlegt, um Scharlatanerie offenzulegen, heute sofort reflexhaft als Extrem, Faschistisch oder Rassistisch zurückgewiesen, ohne sich überhaupt mit der Argumentation zu befassen. Ist es das Ergebnis der Entwicklungen oder auch ein Teil der Ursache? Warnte uns nicht Eugene Ionesco in seinem Theaterstück „Die Nasshörner“ vor einer solchen Entwicklung und welch schädliche Konsequenzen es für eine Gesellschaft hat, wenn alle zu wilden Nasshörnern werden, die Intellektuellen voran?

Politiker halten sich an die vermeintlichen Experten und kommen zu dem Schluss, dass es für sie wohl das beste sei: Wenn man etwas tut, was nicht zum gewünschten Ziel führt, dass man dann nur mehr von dem tun muss, was bisher nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt hat, um das gewünschte Ergebnis endgültig zu erreichen. Am Ende muss leider nur die PR stimmen, dann kann das Ergebnis ignoriert werden. Jedenfalls eine gewisse Zeit lang. Sollte sich dann irgendwo irgendwann ein Sündenbock finden, um so besser. Es wäre ja auch unverantwortlich, wenn es ersichtlich würde das weder Experten noch Politiker unfehlbar sind und über zukünftige Entwicklungen oft genau so wenig wissen wie der Laie auf der Straße, egal wie wissenschaftlich ihre Modelle dargestellt werden. Wäre es nicht so, dann hätte damals die UdSSR, als Ausgeburt einer wahren Technokratie, gewonnen und nicht der Westen. Auch wird wahrscheinlich bei allen Beteiligten die sogenannte „Sunken Cost Fallacy“ mit hineinspielen. Eine De-Mystifizierung von sogenannten Experten wäre wahrscheinlich ein Segen für die westlichen Gesellschaften.

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