Der Treuhänder

Nahrungsmittelpreise: Viele Gründe führen zur Preissteigerung

Seit 2020 ziehen die Nahrungsmittelpreise Weltweit an. Der Französische Maispreis hat seit Januar 2020 um 48% angezogen, der Rapspreis in Frankreich zog dagegen um 27% an. In den USA steigerte sich der Maispreis seit Januar 2020 um 82%, Magerschwein 60%, Sojabohnen 61% und Weizen 33%. Dieses ist kein vollständiger Überblick über die gehandelten Rohstoffe, doch man erhält ein Gefühl dafür, was aktuell auf den Märkten los ist. Das anziehen der Nahrungsmittelpreise hat mannigfaltige Gründe.

Es folgt eine kurze Zusammenfassung von Ereignissen, die unteranderem zur aktuellen Preissteigerung beitragen:

Die Ernteausfälle in China, wetterbedingte Kalamitäten in anderen Erzeugerländern und die steigende Nachfrage ließen in den vergangenen Jahren beim Mais ein Defizit zwischen Angebots- und Nachfrageseite entstehen.

Darüber hinaus nehmen die Ernteerträge beim Wintergetreide ab, was das zur Verfügung stehende Angebot weiter verknappt. Die Abnahme der Ernteerträge beim Wintergetreide hängt wahrscheinlich mit dem Klimawandel zusammen.

Die oben aufgeführten Ereignisse sind es, die die Nahrungsmittelpreise ansteigen lassen. Es sind nicht die gierigen Spekulanten, sondern reale Engpässe und eine fehlgeleitete Geldpolitik, die zu der preistreibenden Knappheit führen. Ob diese Preissteigerungen nur vorübergehender Natur sind, wie von den Notenbanken betont, ist ungewiss. Im Allgemeinen ist der Preis den am Ende der Konsument zu zahlen hat nach oben hin relativ elastisch, während der Preis auf der Unterseite unelastisch ist. Ein Verhalten welches an der Börse nicht widergespiegelt wird. Dort schwanken die Rohstoffpreise oft von einem in das andere Extrem, ohne dass der Konsument davon überhaupt etwas mitbekommt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Tatsache, dass In den vergangenen Jahren, nach der letzten Rohstoff Hausse, die Preise für Landwirtschaftliche Erzeugnisse am Boden lagen. Jedoch konnte der Konsument an der Ladentheke nicht davon profitieren, denn dort stiegen die Preise weiter an.

Insgesamt wirken die Engpässe, ausgelöst durch die weltweite Reaktion auf die Pandemie, in Verbindung mit den Maßnahmen der Regierungen und Notenbanken, die seit der Großen Finanzkrise ergriffen wurden plus die Wetterbedingten Ernteausfälle zusammen und lassen die Preise in vielen Bereichen ansteigen.

Mögliche Gewinner der Landwirtschaftsbranche hatte ich schon im vergangenen Jahr im Blogbeitrag „Gegessen wird immer“ vorgestellt.

PS.: Steigende Nahrungsmittelpreise stehen in direktem Zusammenhang mit politischer Instabilität. Damit kann mit steigender politischer Instabilität in ärmeren Regionen gerechnet werden. Aber auch gut entwickelte Staaten können Gesellschaftliche Unruhe erfahren, wenn die Nahrungsmittelpreise zu stark ansteigen.

FAO World Food Situation, Food Price Index

Gegessen wird immer – Argumente die für den Agrar Sektor sprechen

Gegessen wird immer, eine abgedroschene Phrase, sie hat dadurch dennoch nichts von ihrem Wahrheitsgehalt eingebüßt. Seit langem herrscht eine Art Land Rush, bei dem sich die einzelnen Investoren (Privat und oder Staatlich) mit allen Mitteln um jedes verfügbare Landstück bemühen, dass auf den Markt kommt. Die Sicherung der Lebensmittelversorgung für die eigene Bevölkerung, ist für einen Staat von höchstem Strategischen Interesse. Die Nationale Sicherheit ist davon unmittelbar betroffen, sodass der Sektor immer ein offenes Ohr bei der Politik finden wird. Das ist wichtig da der Primat der Politik zurück ist.

Was für den Agrar-Sektor spricht:

  • Die Weltbevölkerung wächst langsam aber sicher weiter und auch die klimatischen Bedingungen verändern sich.
  • Die Urbarmachung der neuerschlossenen Felder (Südamerika, Afrika) benötigt enorme Mengen an Düngemittel.
  • Auch für die Bodenverbesserung/-Optimierung von bestehenden Agrarflächen werden beständig Düngemittel jeglicher Art nachgefragt. Bodenerosion ist ein großes Thema.
  • Überflutungen in China haben große Teile der Agrarflächen beschädigt, sodass sie erneut Urbar gemacht werden müssen. Zusätzlich sind einige Phosphat Minen Chinas in Mitleidenschaft gezogen worden.
  • Rohstoff Preise steigen => Höhere Einnahmen für Bauern / Farmer => Höhere Ausrüstungsinvestitionen => Steigender Umsatz bei z.B. Titan International oder auch Bucher Industries mit ihrer Tochter Kuhn Group
  • wachsender Wohlstand in Asien fördert die Nachfrage nach Tierischen Protein, was auf der einen Seite zu einem Anstieg der Futtermittelnachfrage führt und auf der anderen die Aussichten für die Fleischindustrie verbessert.
  • New Man Made Materials ($ADM Künstliche Spinnenseide)

Die Entwicklung der Rohstoffpreise deutet auf einen neuen Bullenmarkt hin:

Die Preisentwicklung und die Chartlage der Agrar-Rohstoffe deuten darauf hin, dass sie wahrscheinlich steigen werden.

Davon könnten dann Unternehmungen profitieren wie z.B.:

Diese Unternehmungen decken fast den gesamten Bereich der Agrar-Industrie ab. Von Düngemitteln, Maschinen / Ausrüstung, Futterergänzungsmittel & Tierfutter, Fleischproduktion, bis hin zum Handel und der Logistik (Schiff, Hafen, Intermodal, etc.) ist bei den genannten Unternehmungen alles vorhanden. Selbst New Man Made Materials sind im Produktportfolio von Archer-Daniels-Midland vertreten.

Langfristig wird der Sektor wahrscheinlich eine gute Anlage sein. Nicht nur weil der Spruch „Gegessen wird immer“ wahr ist, sondern auch wegen den New Man Made Materials. An dieser Stelle vermute ich, dass der Agrarsektor Minen als Rohstoffquelle immer weiter ergänzen wird und sich damit langfristig weitere Umsatzquellen erschließen lassen.

Privatinvestoren, denen das Wissen und oder die Zeit zur Auswahl von Aktien fehlt, sind wahrscheinlich mit einem auf den Sektor konzentrierten Aktiv gemanagten Fonds am besten bedient. ETF´s haben ihre eigenen Tücken und ich bin wahrlich kein Freund dieser, da sie einem Derivat gleichen.