Was ich als Aktionär nicht sehen will – Teil 2
Nicht die Auswahlmethodik ist entscheidend, sondern die Methodik des Ausschließens. Es ist an der Börse und allgemein bei einem wirtschaftlichen Engagement besonders wichtig Fehler zu vermeiden.
Im Teil 1 der Mini-Serie „Was ich als Aktionär nicht sehen will“ habe ich schon ein Ausschlusskriterium genannt, welches ich heute mit einem weiteren ergänzen möchte.
Es ist vielleicht ein kontrovers diskutiertes Thema, insbesondere wenn man die angeblichen Auswirkungen untersucht, doch Buybacks sind etwas, was einem misstrauisch machen muss. Sie sind ein Ausdruck von Ideenlosigkeit der Unternehmensführung.
Vermeide Buyback Aktivitäten
Buybacks sind zwar nicht pauschal zu verurteilen, denn es gibt seltene triftige Gründe diese durchzuführen, dennoch sind sie meistens ein Hinweis darauf, dass:
1. Die Unternehmensführung keine Idee hat wie das Kapital der Unternehmung wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden kann. Hätte sie eine, würde sie ansonsten das Kapital investieren.
2. Der Teilhaber, der das wirtschaftliche Risiko trägt, ist für das Management offensichtlich nicht von Bedeutung. Der Teilhaber hat von einem Buyback nichts, außer er verkauft seine Aktien. Er hat ansonsten keinen positiven Cash Flow, im Gegensatz zu einer Dividenden Ausschüttung. Die Aussage, dass sich Buybacks für die Teilhaber positiv auswirken ist mehr als nur Zweifelhaft. Darauf deutet zum Beispiel die Preisentwicklung der General Electrics Aktie hin.
3. Vermehrt Financial Engineering zum Einsatz kommt. Dabei wird das eigentliche Produkt der Unternehmung zu einem Nebensache degradiert. Das Hauptaugenmerk des Managements liegt dann auf dem Anteilspreis.
4. Eventuell stagnierender Umsatz und Gewinn verdeckt werden sollen. Bleiben der Umsatz & Gewinn gleich und es wird ein Buyback Programm durchgeführt, so steigen die Earnings Per Share. Eine Verhältnis, auf das ein besonderes Augenmerk liegt. Jedenfalls bei vielen Analysten, Finanzmedien und anderen. Daneben kann natürlich auch das Boni-System an die EPS gekoppelt sein. Das System wird quasi gespielt.
An einer Unternehmung, die in Verbindung mit einer hohen Auszahlungsrate regelmäßig Buybacks durchführt will ich nicht beteiligt sein. Das Management ist meist zu sehr mit dem Anteilspreis beschäftigt und zu wenig mit dem Produkt. Außerdem sehen sie offensichtlich keine Chance das Kapital der Unternehmung wirtschaftlich sinnvoll einzusetzen und damit das Produkt zu verbessern, die Effizienz / Produktivität zu erhöhen, Kosten zu senken und neue Märkte zu erschließen. Wie soll hier das langfristige überleben der Unternehmung gesichert werden?
Buybacks sind definitiv ein Ausschlusskriterium, außer das Management hat eine triftige Erklärung für ein solches Programm. Es muss einem bewusst sein, der Wert (Wert ungleich Anteilspreis) einer Unternehmung steigt dadurch jedenfalls nicht.
Hohe Auszahlungsrate + Regelmäßige Buybacks = Kein Engagement
Was ich als Aktionär nicht sehen will
Der Aktienmarkt ist schon eine verrückte Sache. Jeder schwört hier auf seine eigene Methodik. Manche dieser gleichen eher einer Esoterischen Strömung, andere basieren auf Theoretischen Modellen, die aus einem Labor entflohen sind. All das ist relativ egal. Wichtiger als die Auswahlmethodik ist die Methodik des Ausschließens. Einfach gesagt, Fehler vermeiden.
Was ich als Aktionär / Anteilseigner bei einer Unternehmung wirklich nicht sehen will ist eine Schwache Bilanz!
Vermeide eine schwache Bilanz
An einer Unternehmung kann an sich alles stimmen wie z.B. eine beständig hohe Gesamtkapitalrendite, ein gutes Produktportfolio, hohe Einstiegshürden in ihren Markt, etc. aber all das hilft nicht, wenn die Bilanz schwach ist.
1. Erste Hinweise auf eine schwache Bilanz bietet der Blick auf die Eigenkapitalquote. Ist diese gering ist der Anteil des Fremdkapitals, vereinfachend gesagt der Schulden, hoch. Doch kann man nicht pauschal sagen, dass eine Unternehmung, die z.B. nur eine Eigenkapitalquote von 42% hat, auch gleichzeitig eine schwache Bilanz aufweist.
2. Weitere hinweise erhält man, wenn man die Liquidität 1. bis 3. Grades überprüft. Hier kann die Liquiditätssituation einer Unternehmung besser eingeschätzt werden und damit die stärke der Bilanz. Es ist gut, wenn die Quick Ratio (Liquidität 2. Grades: (Geldvermögen + Wertpapier + kurzfristige Forderungen)/kurzfristige Verbindlichkeiten) größer 1 und die Current Ratio (Liquidität 3. Grades: Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten) größer als die Quick Ratio ist.
3. Eine weitere Prüfung die einem einen Hinweis auf die Stärke einer Bilanz gibt, ist der Zinsdeckungsgrad. Dabei wird das Verhältnis zwischen Zinsaufwendungen und den Einnahmen erfasst. Je größer dieser Wert ist, je geringer sind die Zinsaufwendungen gegenüber den Einnahmen und damit auch das Zinsänderungsrisiko.
Diese drei Anhaltspunkte, die auf die Verfassung einer Bilanz hinweisen, können ohne weiteres von einem Privatanleger binnen weniger Minuten geprüft werden.
Darüber hinaus sollte auch die Art der einzelnen Bilanzposten geprüft werden, wenn dieses für den Privatanleger möglich ist.
Schwache Bilanz = kein Engagement!