Der Treuhänder

Preis versus Wert eines Investitionsobjekts

In einer Zeit, die durch den Glauben das Alles Quantifizierbei sei geprägt ist, da muss es einen nicht verwundern, dass fast Alles ein Preisschild angehängt bekommt. Der Preis ist spätestens seit der Antwort der Zentralbanken auf die Great Financial Crisis und der Eurokrise verzerrt. Die Zentralbanken haben den Preisfindungsmechanismus nicht nur ausgehebelt, sondern gehen soweit, dass sie auch darüber entscheiden, wie die zur Verfügung stehenden Mittel angewendet werden. Durch harte und weiche Regulierung wird der Geldfluss gelenkt und damit entschieden, welche Unternehmen / Sektoren mit Liquidität versorgt werden und welche nicht. Hier gewinnen natürlich die großen gegenüber den kleinen Wirtschaftsakteuren. Die Zentralisierung wird durch die Handlungen der Zentralbanken gefördert. Während Transnationale Konzerne sich äußerst günstig refinanzieren können, ist das den kleineren Marktteilnehmern nicht unbedingt vergönnt. Dabei spielt es leider keine Rolle ob die Unternehmung eine Daseinsberechtigung im kapitalistischen Sinne hat oder auch nicht. Der Preisfindungsmechanismus ist unterdrückt, sodass der Preis selbst keine Auskunft mehr über den Wert eines Gutes geben kann.

Was ist der Wert eines Investitionsobjekts?

Der Wert eines Investitionsobjekts (Immobilie, Produktivkapital, etc.) ergibt sich nicht dadurch, dass der Sektor Medial eine hohe Aufmerksamkeit erfährt. Auch sind schillernde Manager die mit vielen Buzzwords um sich schmeißen nicht der Ausweis vom Wert einer Unternehmung. Was sind also die Faktoren, welche den Wert einer Unternehmung ausmachen? Der Preis ist es jedenfalls nicht, auch nicht eine Öffentliche Manie um das Investitionsobjekt. Ich denke das unteranderem folgende Faktoren den Wert eines Investitionsgegenstandes mitbestimmen:

  • Der Wert liegt im möglichen positiven Cashflow den das Objekt in das investiert werden soll über die Zeit erreichen kann.
  • Eine Unternehmung die schon über einen sehr langen Zeitraum existiert und immer wieder bewiesen hat, dass sie sich auf die stetig wandelnde Umwelt einstellen kann hat einen Wert.
  • Die Fähigkeit in schweren Zeiten Chancen wahrnehmen zu können, ohne auf Banken und oder Finanzmärkte angewiesen zu sein, hat einen Wert. So kann die Marktposition langfristig gesichert und ausgebaut werden, indem die Unternehmung recht günstig Produktionsstätten von der Konkurrenz aufkaufen oder entwickeln kann.
  • Von hohem Wert ist es auch, wenn die Unternehmung eine Nische besetzt und diese mit einer besonders hohen Qualität ihrer Dienstleistungen und Produkte untermauert. So kann sie einen Mehrwert für ihre Kunden schaffen und muss sich nicht sosehr um eine mögliche Konkurrenz kümmern. Das gilt besonders für sehr „langweilige“ Sektoren. Das knappe Gut ist gesucht, nicht das Beliebige.
  • Der Wert wird auch durch die Eigentümer selbst beeinflusst. Befindet sich eine Unternehmung in Familienhand ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass die Ausrichtung der Unternehmung nicht den kurzfristigen Launen Institutioneller Investoren und einem auf das eigene Wohl konzentrierte Management unterliegt. In dem Moment in dem das Management den Aktienkurs als das Primäre Produkt ansieht und nicht die Dienstleistungen und Produkte geht der Wert der Unternehmung verloren. Das beständige bemühen die eigenen Dienstleistungen und Produkte zu verbessern und weiterzuentwickeln sind die Aufgabe des Managements, hier entstehen Werte.

Im Fluss der Zeit ist der Preis irrelevant. Auf Sicht von 100 Jahren ist der Preis nichts, der Wert ist alles! All diese Überlegungen sind relativ unbedeutend, wenn man nur kauft um auch wieder zu verkaufen. Doch dabei sollte sich immer folgende Frage gestellt werden: Was ist wenn man nicht mehr so einfach verkaufen kann, weil es kurzfristig zu einer langfristigen Veränderung der Umwelt (Rechtsrahmen, etc.) gekommen ist?

Die Finanzbarone und Großkapitalisten genießen jedes Jahr die Dividende der Aktien, die sie ererbt oder mit ihrem eigenen Gelde gekauft haben, auf den Kurs der Aktien kommt es ihnen nicht an und da ihre Absicht nicht auf den Verkauf, sondern auf das Einkommen aus den Erträgnissen gerichtet ist, so bildet der höhere Wert der Aktien nur einen imaginären Genuss, indem sie überlegen, wie es in Wirklichkeit ist, dass sie bei einem Verkauf der Effekten, sie einen hohen Preis erhalten können.

Joseph de la Vega: Die Verwirrung der Verwirrungen (S.33)

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